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Stroh als zukunftsreicher Treibstoff 
- Biosprit der zweiten Generation

Mittwoch, 3. Dezember 2008 in Verschiedenes
Themenbild: www.pixelio.de
(pte) - Bis 2020 sieht die EU-Biokraftstoffrichtlinie einen Biosprit-Anteil von zehn Prozent vor. Bisher wurde Bioethanol in erster Linie aus Getreide, Mais oder Zuckerrohr bzw. Zuckerrüben hergestellt. Kritiker haben bei der Biosprit-Herstellung die Konkurrenz mit Nahrungsmitteln als ethisch bedenklich eingestuft. Seit einiger Zeit arbeiten Forscher allerdings daran, aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten wie etwa Schnittholz und Stroh Biosprit herzustellen.

Forscher der FH OÖ Campus Wels www.fh-wels.at sind intensiv damit beschäftigt, Stroh als Grundlage für den begehrten Treibstoff zu verarbeiten. 

"Schon vor einigen Jahren hat es bei der Voest-Alpine-Industrieanlagenbau Studien zur Machbarkeit der Bioethanol-Herstellung aus Stroh gegeben", erklärt Alexander Jäger, Fachbereichsleiter Bio- und Umwelttechnik an der FH OÖ Campus Wels im pressetext-Interview. Dafür habe er sich bereits seit der Jugend interessiert, meint Jäger. Viele der damaligen Versuche seien aber in Vergessenheit geraten. "Wir betreiben zunächst so etwas wie Wissenschaftsarchäologie", betont Jäger. Es sei gelungen die Versuche nachzustellen und dabei bereits neue Erkenntnisse zu gewinnen. "Bei dem Verfahren geht es im Prinzip darum, Zellulose aus Holz oder Stroh mit Hilfe von Enzymen in Zuckerbausteine aufzuspalten, die dann wie bei der normalen Bioethanol-Produktion zu Alkohol vergoren werden können", so Jäger. Konkret gehe es um die verbesserte Ausbeute des Strohs und dadurch auch um eine Kostensenkung, erklärt der Forscher. 



Neue Enzyme haben die Forscher, die im Verbund mit der JKU Linz, der TU-Wien, der Universität Graz, dem Technologiezentrum Ennstal sowie der Lenzing AG und der Südchemie als Industriepartner arbeiten, bereits gefunden. "Neu ist auch, dass der Schritt der Verzuckerung und Vergärung, der früher nacheinander durchgeführt werden musste, nun parallel gemacht werden kann", so Jäger. Im Prinzip gehe es um die Optimierung der Verwertung jener Stoffe, die anfallen. Vom Anbau anderer Energie-Pflanzen wie etwa Eukalyptus hält Jäger nichts. "Wir wollen das nutzen, was da ist." 



Auch die Menge an Zuckerrüben sei in Österreich nicht groß genug, um den Bedarf zu decken. "Das reicht bei weitem nicht aus", so Jäger. Die Menge an Biotreibstoffen, die man mit Stroh herstellen könne, mache zwischen fünf und zehn Prozent des gesamten Energiebedarfs aus. "Sie liegt irgendwo zwischen 60 und 100 Petajoule", schätzt Jäger. Vorstellbar wäre indessen eine zweite Fruchtfolge auf den Feldern. "Das hat es ja früher auch gegeben", meint der Forscher. "Bevor dieser Prozess industriellen Einsatz findet, besteht aber noch großer Forschungsbedarf, denn derzeit steht der Erzeugungsaufwand noch in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zur Alkoholausbeute", erklärt Jäger abschließend im pressetext-Interview. 



Der FH OÖ Campus Wels hat mehrere Forschungsaufträge erhalten, um aus Stroh das begehrte Bioethanol herzustellen. Aus den Forschungsprogrammen "Fabrik der Zukunft", "Energiesysteme der Zukunft" sowie "FH Plus" und "Coin" wurden den Welser Wissenschaftlern und ihren Forschungspartnern mehr als zwei Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Ab Januar 2009 wird unter der Leitung von Jäger und Heike Kahr ein Team von fünf Wissenschaftlern am Welser FH-Campus am Projekt Strohbioraffinerie arbeiten.

Kommentare
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Einspruch: Dieses Verfahren hat nichts, aber gar nichts mit dem zu tun, was ich unter "Bio" verstehe. Reine Demagogie, wenn Treibstoffe gewonnen werden und ihnen das euphemistische Etikett "bio" verpasst wird. Wer setzt diesem Wahnsinn ein Ende: Treibstoff aus Stoh und Zuckerrüben. Gahts nu???
#1 Hanspeter Vögtli am 03.12.2008 11:23 (Antwort)

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