Galakonzert der Yehudi-Menuhin-Stiftung: Elektrisierender Tastenvirtuose im Parktheater
Donnerstag, 13. November 2008
in Kultur
Sergej Koudriakov. (Bild: zvg)
Dies war auch Michael Sanderling, dem kurzfristig eingeflogenen Ersatzdirigenten, zu verdanken. sr. Das Gastspiel des Musikkollegium Winterthur und des Géza Anda-Preisträgers Sergej Koudriakov verdient den Namen „Galakonzert“. Ihre Interpretation von Beethovens fünftem Klavierkonzert elektrisierte das Publikum.
Ohne Pathos, mit mitreissender Vitalität erklang eine zeitgenössische Fassung eines Klassikers. Der kraftvolle Es-Dur-Akkord des Orchesters am Anfang des Allegro nimmt das zentrale Thema des Konzerts schon vorweg. Dementsprechend akzentuiert klang der Akkord auch beim Musikkollegium Winterthur. Dynamisch, voller Rhythmus und Lebendigkeit, entwickelt sich die Klangsprache des Orchesters und des Klaviervirtuosen. Sergej Koudriakov spielte das Allegro mit grosser Souveränität und Brillanz. Lotete das Finale des dritten Satzes mit tänzerischem Schwung und Beseeltheit aus. Faszinierender Klangmagier Das Musikkollegium Winterthur zeigte sich im musikalischen Zwiegespräch mit dem Solisten äusserst flexibel und klangschön. Berührend das Adagio des zweiten Satzes mit seinem poetischen Duktus: Orchester und Pianist agierten homogen, um sich beim Rondo des Finales wieder zu vereinen.
Eigentlich hätte Alan Bouribayev das Konzert leiten sollen. Kurzfristig verhindert, wurde Michael Sanderling eingeflogen. Der Sohn des legendären Kurt Sanderling wirkt als Principal Conductor des Kammerorchester Berlin und ist Chefdirigent der Deutschen Streicherphilharmonie. In kurzer Zeit entstand zwischen Dirigent, Solist und Orchester eine beeindruckende Harmonie. Da stand kein Ersatzdirigent auf dem Podium, sondern ein faszinierender Klangmagier. Farbige Kontraste Betörend auch in der Wiedergabe von Brahms erster Sinfonie, deren Musik eine Fülle an herben Seelenbildern offen legt. Sanderling hob mit hoch professioneller Virtuosität hervor, was für tragische Ruhe, brillante Kraft und Ekstase in der ersten Sinfonie steckt. Viel Applaus Das Musikkollegium Winterthur brillierte mit tollen Soli- und Tuttieinsätzen, offenbarte, wie mystisch-suggestiv Brahms klingen kann. Michael Sanderling seinerseits erschloss den staunenden Zuhörern, wie viele spannungsreiche Kontraste in diesem grossformatigen sinfonischen Werk stecken. Enthusiastischer Applaus dankte für ein berauschendes Konzerterlebnis.
Das Galakonzert der Menuhin-Stiftung ist in der Region fest verankert. Für nächstes Jahr konnte der Stiftungsrat die weltberühmte Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager verpflichten, die dem Händel-Jahr Tribut zollen wird.





