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Kolumne: Ehrlichkeit

Donnerstag, 16. Oktober 2008 in Kolumnen
(Anna Meister) - Am ersten August dieses Jahres habe ich mein Portemonnaie verloren. Wem dies auch schon passiert ist, weiss wovon ich rede. Ich hatte mir die 1.August-Feier im Parktheater zusammen mit meinem Freund angesehen. Danach waren wir ziemlich im Stress, dass wir den Zug noch erwischen und irgendwann dann geschah es.

Wirklich erkannt habe ich es aber erst in Solothurn, wo ich mein GA dem Buschauffeur zeigen wollte. Mein Freund bezahlte mein Ticket und wir fuhren zur Feier meiner Eltern in Solothurn. Aber mir war nicht mehr ums Feiern zumute.

In meinem Portemonnaie befanden sich neben 20 Franken Bargeld meine Bank- sowie meine Postcard, meine Studenten-Legi, das GA, die ID und noch anderes. Noch in derselben Nacht liess ich beide Karten sperren. Die Tortur begann am Tag darauf. Am Bahnhof meinten sie, sie könnten mir nur einen Ersatz für mein GA geben, wenn ich eine ID vorweisen könne. Da konnte ich noch so oft betonen, dass diese auch weg war. Sie schlugen mir dann vor, einen Verlustschein bei der Polizei zu holen.

Ich fuhr also zur Polizei, deren Posten jedoch geschlossen war. Doch bei der Klingel hiess es: Für Notfälle klingeln, was ich dann auch tat. Nachdem ich geschildert hatte, worum es geht, hörte ich aus der Sprechanlage eine genervte Stimme: „Normalerweise öffnen wir für solche Bagatellen an einem Samstag nicht, aber kommen Sie hoch.“

Ich erhielt den Verlustschein und fuhr zurück zum Bahnhof, wo man mir erklärte, dass dieser Schein zwar okay sei, aber ohne eine ID sei nichts zu machen. Ich schilderte zum sicher 100sten Male, dass ich diese verloren hatte und dass ich doch genau deswegen jetzt extra zur Polizei gefahren sei. Da schlug man mir vor, für 30 Franken ein Ersatz-GA zu bestellen. Dass ich auch schon mehrmals erwähnt hatte, dass meine Bankkarten samt Geld ebenfalls weg waren, ist offensichtlich.

Meine Mutter schlug vor, bei der Fundstelle der SBB zu inserieren, was wir taten. Nach etwa einer Woche erhielten wir eine Mail, in welcher stand, mein Portemonnaie sei gefunden worden. Ich könne es in Solothurn am Bahnhof abholen gehen. Als ich es holte, war alles noch da! Die Karten, die ID, das GA, ja selbst die 20 Franken waren noch drin!

Warum ich das hier schreibe? Weil das Portemonnaie am Bahnhof Grenchen Süd bei den Billettautomaten gefunden wurde und mir niemand sagen konnte, wie der Finder heisst. Sollte dieser nun diese Zeilen lesen, möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei ihm bedanken, immerhin ist solch eine Ehrlichkeit heutzutage nicht mehr selbstverständlich!

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