Rousseau-Jahr 2012: cantus firmus mit „Le Devin du Village“ in Genf
Samstag, 4. Oktober 2008
in Kultur
(Foto: zvg)
Für den Projektwettbewerb 300 Jahre Jean-Jacques Rousseau 1712 – 2012 waren 123 Projekte in den Sparten Kolloquien und Publikationen, Musik, Theater, Ausstellungen, Kino, Spaziergänge und Diverses, eingereicht worden.
In der Sparte Musik wird das cantus firmus vokalensemble & consort die Oper "Le De-vin du Village" von Jean-Jacques Rousseau voraussichtlich im Januar/Februar 2012 in Zusammenarbeit mit dem neuen Intendanten des Genfer Grand Théâtres, Tobias Richter, und unter Leitung von Andreas Reize am Grand Théâtre in Genf aufführen. Weitere Aufführungen sind in Planung, zur Diskussion stehen Paris und Venedig, wo Jean-Jacques Rousseau ebenfalls gelebt und gewirkt hat, sowie Vevey und weitere Orte in der Schweiz.
Das cantus firmus vokalensemble & consort freut sich, eines der Schlüsselprojekte für das Rousseau-Jahr in Genf beisteuern zu können.
Die Oper
"Le Devin du Village" (Der Dorfwahrsager) ist ein einaktiges Intermezzo von Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778), wurde im Jahr 1752 geschrieben und handelt vom Liebespaar Colette und Colin, die beide die Dienste des Dorfwahrsagers in Anspruch nehmen, um sich der Liebe des je anderen sicher zu sein. Dieser stiftet Verwirrung und sät Unwahrheit. So erzählt er Colin, Colette habe ihn für einen reichen Herrn aus der Stadt verlassen. Sie aber liebt den untreuen Colin nach wie vor und wartet auf ihn. Trotz der Irrungen und Wirrungen finden die Liebenden schliesslich zueinander.
Jean-Jacques Rousseau in Solothurn
Die Bezüge des „Devin du Village“ zum Aufführungsort Schloss Waldegg im Jahr 2006 sind vielfältig. Das Schloss wurde von der Familie Besenval erbaut, die verwandtschaftliche Verbindungen zu Louis XV hatte und auch Beziehungen zum Philosophen und Komponisten Jean-Jacques Rousseau pflegte. Nachdem Jean-Jacques Rousseau den Winter 1730/31 in Neuchâtel verbracht hatte, zog er in Begleitung eines griechi-schen Prälaten via Fribourg und Bern nach Solothurn. Er packte die Gelegenheit, sich im Ambassadorenhof vorzustellen und hoffte auf eine Position als Sekretär.
Der Botschafter Marquis de Bonnac bot ihm ein Zimmer in der Ambassade an und wies darauf hin, dass hier schon Jean-Baptiste Rousseau (1670-1741) wohnte, ein französi-scher Dichter, der bei seinem Solothurner Aufenthalt im Jahre 1712 seine Werke hier herausgegeben hatte. Man werde in Solothurn sicher bald von Rousseau I und Rous-seau II sprechen! Für Madame de Bonnac komponierte Rousseau eine Kantate. Die Botschafterin hielt Rousseau davon ab, mit dem griechischen Prälaten weiter zu ziehen und wollte sich für seine Anliegen verwenden.
Für Rousseau hätte sich in Solothurn die Position eines «Sous-secrétaire» ergeben, die ihn aber nicht begeisterte. Er zog es vor, nach Paris zurückzugehen, ausgestattet mit zahlreichen Empfehlungsscheiben, guten Ratschlägen und einhundert Francs Reisegeld von Monsieur und Madame de Bonnac. In Paris traf er Jean Victor de Besenval II (1671–1736), Sohn des Erbauers von Schloss Waldegg, durch dessen Beziehungen er schliesslich als Sekretär des französischen Botschafters nach Venedig kam.
1752 wieder in Paris, schrieb er «Le Devin du Village» und wurde bald, wie er selber sagte, der gefragteste Mann in Paris. Rousseau traf mit seinem Werk den neuen Ge-schmack des Hofes und des Publikums genau. Die Uraufführung fand am 18. Oktober 1752 im Theater des Schlosses Fontainebleau statt.
Weitere Informationen unter www.cantusfirmus-ensemble.com und www.rousseau2012.ch





