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Krieg, Kartoffeln und Knickerbocker - “Ein Koffer voll Erinnerungen” der Seniorenbühne

Donnerstag, 25. September 2008 in Kultur
Szenenbilde aus "Ein Koffer voller Erinnerungen". (Foto: Sabine Waelti)
(Sabine Waelti) - “Ein Koffer voll Erinnerungen” - so heisst das Theaterstück, welches die Seniorenbühne Grenchen vergangene Woche präsentierte. Zehn Seniorinnen und Senioren machten dabei eine Zeitreise zurück in ihre Kindheit und Jugend in den 30-er und 40-er-Jahren.

Eine Sirene ertönt. Auf der Leinwand erscheinen Flieger, welche Bomben abwerfen. Acht Frauen und zwei Männer eilen auf die Bühne des Grenchner Zwinglihauses, jede und jeder trägt einen Koffer bei sich.

Die zehn Laienschauspielerinnen und -schauspieler der Seniorenbühne Grenchen liessen mit dem Stück “Ein Koffer voll Erinnerungen” ihre eigene Kindheit und Jugend in den 30er- und 40er-Jahren nochmals aufleben.

Während dreiviertel Jahren hatten sie sich gemeinsam mit Regisseurin Iris Minder auf das Stück vorbereitet und waren dafür regelmässig aus allen Ecken der Schweiz nach Grenchen gereist.

Vergangene Woche war es so weit: Das Stück wurde aufgeführt. Es waren traurige Erlebnisse, geprägt durch den Krieg, aber auch lustige Anekdoten wie Schulstreiche, welche erzählt und szenisch dargestellt wurden. Sieben der Schauspielerinnen und Schauspieler hatte ihre Kindheit und Jugend in der Schweiz erlebt, je eine Frau war in Deutschland, Österreich oder Dänemark aufgewachsen.

“Ein Geräusch aus meiner Kindheit vergesse ich nie mehr. Es ist das Geräusch von marschierenden Soldaten”, berichtet jene Frau, welche aus Dänemark stammt. Ihre Kolleginnen und Kollegen eilen sofort herbei, alle stehen stramm und marschieren im Gleichschritt über die Bühne.

Durch den Krieg geprägt sind die Biografien von allen zehn Personen, welche an jenem Abend auf der Bühne standen. Alle sprechen von der damaligen Knappheit an Nahrungsmitteln - “Immer nur hetts Härdöpfu gäh”.

Ein Mann berichtet von seinem Leben als Verdingkind, sein Schauspieler-Kollege war als Kind an Tuberkulose erkrankt, die Frauen sprechen über Dinge, die ihnen nicht zustanden, weil sie Mädchen waren.

Der Zusammenhalt in der Theatergruppe wurde während dem Auftritt deutlich spürbar. Eine Frau hält der anderen die Hand, als diese über etwas Schwieriges berichtet, gemeinsam wird gelacht, zum Beispiel über die damaligen Kleider. “Möget dir euch no Gstältli erinnere?”, fragt eine Frau “Ouuuu!”, entfährt es den anderen und gleich erscheint eine der Schauspielerinnen in einem solchen Kleidungsstück. “Und die Knickerbocker”, ruft ihre Kollegin, “denen haben wir immer Gagufänger gesagt.”

Auch über Schulstreiche hatte die Gruppe einiges zu erzählen. “Ich musste als Mädchen in der Schule mal vor die Türe”, berichtet eine Frau, “dort hab ich die Schuhe meiner Kamerädli alle mit Wasser gefüllt.” - “Ein Freund und ich wurden mal von einem Lehrer beim Rauchen erwischt”, erzählt ein Mann, “Darauf zwang der Lehrer meinen Kollegen, einen Stumpen zu rauchen. Natürlich wurde ihm schlecht und ich wurde dann dazu verdonnert, das Becken mit der Kotze zu leeren.” Das Resultat dieser Strafaktion? “Dr eint hett nie meh graucht, dr anger raucht hütt no.”

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