Kolumne: Kaffee mit Insektenspray
Donnerstag, 11. September 2008
in Kolumnen
Normalerweise ist das kein Problem. Entweder steht mein Freund a) nach mir auf und ich verbringe meine asoziale Morgen-Viertelstunde allein. Oder b) steht er zur gleichen Zeit auf wie ich (das ist auch kein Problem, in den ersten Minuten ist er nämlich genauso verschlafen).
Neulich aber konnte ich ausschlafen, während er schon seit 6 Uhr morgens in der Wohnung herumwieselte. Nichts böses ahnend steuerte ich um 10 Uhr auf die Küche zu. „Hey, deine Erdbeeren, legst du noch wert auf die?“, frohlockte mein Freund. –„Hä?“, grummelte ich zurück. – „Öööhm, ich wollte sie drum entsorgen“, präzisierte er seine Frage. „Hä?? Die sind FRISCH!“ – meine Stimme klang nun plötzlich ziemlich wach. Sein Argument: „Weißt du, diese vielen Obstmüggli nerven langsam. Und wir werden sie nie los, wenn hier überall Früchte rumliegen.“
Tatsächlich tanzten uns die Obstmüggli seit Tagen auf der Nase rum. Aber musste das alles jetzt sein?? Ich versuchte, den Duft meines Kaffees einzuatmen, doch in meine Nase stieg – Insektengift! Gleich neben mir versprühte mein Liebster voller Elan Anti-Obstmüggli-Spray.
„Gopf, machsch es eigentlich äxtra?“, wetterte ich – und schneller als jedes Obstmüggli verliess ich die Küche. Dann war meine zickige Viertelstunde vorüber und plötzlich fand ich die Obstmüggli-Morgenszene lustig. So lustig, dass ich sie allen erzählte, denen ich an diesem Tag begegnete.
Am Abend kehrte ich heim. Mein Freund hatte liebenswürdigerweise Tee gekocht. Ich füllte mir ein Glas, nahm einen kräftigen Schluck und … Buäk!! „Du, was stimmt mit dem Tee nicht?“, fragte ich vorsichtig. „Tee?“, lachte er, „Das ist meine Obstmüggli-Falle!“
PS: Es war Essig mit Spülmittel.
PPS: Buääääääääk!
PPPS: Die Obstmüggli haben es nicht überlebt.





