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Riesige Verpflichtung - Gewerbeverband Grenchen kritisiert Unia-Kampagne

Mittwoch, 3. September 2008 in Grenchen
Bild: www.unia.ch
(Joseph Weibel) - Mit einer Kampagne will die Gewerkschaft Unia zur Diskussion über die Qualität und Anerkennung der Berufsbildung und die Arbeitsbedingungen der Auszubildenden anregen. Der Gewerbeverband Grenchen, dessen Mitglieder ebenfalls Berufsnachwuchs ausbilden, sieht in dieser Aktion gewisse Gefahren.

Laut einem Communiqué sei rund jeder zweite Lernender unzufrieden mit seinem Lohn. Ausserdem würden die Ausbildungsverhältnisse mit einem Nettonutzen für die auszubildenden Betriebe enden. Bis 2009 will die Unia-Jugend die grundsätzliche Diskussion über angemessene Anerkennung, Qualität und Zufriedenheit in der Berufsbildung mit Plakat- und Kartenaktionen an Berufsschulen und Veranstaltungen anregen. Die Erkenntnisse über Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit von angehenden Berufsleuten hat die Gewerkschaft aus einer Umfrage (Herbst 2007) mit 1800 Lernenden gewonnen. Diese Umfrage wurde von der Uni Bern im Auftrag des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) in Auftrag gegeben.

Rund jeder Dritte dem Gewerbeverband Grenchen angeschlossene Betrieb bildet Lernende aus. Hinzu kommt die örtliche Industrie. Für 2009 bieten 32 Firmen nicht weniger als 100 Lehrstellen in 25 verschiedenen Berufen an. Im Kanton Solothurn laufen derzeit rund 6000 Lehrverträge. Gesamtschweizerisch sind es über 200 000 Lernende, die in rund 200 möglichen Berufsfeldern eine Ausbildung absolvieren.

Es ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen und auch keine überraschende Neuigkeit, dass Lernende während ihrer Ausbildungszeit gerne auf eine höhere Salärierung zurückgreifen möchten. Und: Laut der Forschungsstelle für Bildungsökonomie sind die produktiven Leistungen von Lernenden frankenmässig etwas höher als die Bruttokosten für die Ausbildung (Verhältnis 52 : 48 %). Tatsache ist aber auch, dass das intellektuelle Niveau von Schulabgängern gesunken ist und Jugendliche im Berufsleben gemeinhin schwieriger zu führen sind. Ein Betrieb, unabhängig seiner Grösse, geht mit der Ausbildung von angehenden Berufsleuten eine riesige Verpflichtung, gleichzeitig aber auch immer ein Risiko ein. Ausserdem wird er mit immer neuen und strengeren Gesetzes- und Ausbildungsvorschriften konfrontiert.

Wenn nun Lernende während ihrer Ausbildungszeit eine gewisse Wertschöpfung erbringen, so ist das nicht nur im Interesse eines Betriebs, sondern primär des Lernenden selbst. Die von der Unia (eher zynisch) verwendete Aussage «Lehrlinge sind Gold wert», teilen auch wir. Erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen von Berufslehren sind Garant dafür, dass auch in Zukunft unser Land qualitativ hohe produktive Leistungen in verschiedensten Berufsfeldern erbringen kann. Wenn nun die von der Unia-Jugend geplante Plakat- und Kartenaktion den Wert einer Berufsbildung nicht nur auf Salärierung und mögliche Wertschöpfung fokussiert, so wäre diese Massnahme durchaus lobenswert und sinnvoll. Wenn Sie aber in erster Linie dazu dient, junge Berufsleute so indirekt auch für eine Gewerkschaft zu mobilisieren, so würde dieses Ziel eindeutig verfehlt. Umso mehr, weil diese Kampagne mit Geldern des Jugendförderungskredits des Bundes unterstützt wird.

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