Kolumne: Ferienerlebnisse und Co.
Donnerstag, 14. August 2008
in Kolumnen
Einen solchen musste ich nämlich als Teenie nach jeden Ferien schreiben – für meinen damaligen Deutschlehrer, Herrn Abächerli. Doch der war von meinen Berichten jeweils gar nicht berauscht. „Wo ist der Höhepunkt dieses Erlebnisses?“, schrieb er unter jeden meiner Texte, dies kombiniert mit ziemlich mittelmässigen Noten. Nun, meine Ferien waren zwar meistens okay, aber eben selten reich an Pointen.
Genau dies wollte ich ändern. Und so begann ich, jedem Erlebnis in meinen Aufsätzen am Schluss einen Unfall, ein Erdbeben oder eine andere Katastrophe hinzuzufügen. Zu meiner Überraschung schöpfte Herr Abächerli nie Verdacht, sondern belohnte mich von nun an regelmässig mit der Note 6.
Vor kurzem las ich ein Interview mit einer Kolumnistin einer anderen Zeitung. Sie meinte darin, alles, was sie in ihren Kolumnen schreiben würde, sei wahr. Sie ahnen es: Bei mir ist dies nicht der Fall. Vor allem die Schlüsse meiner Geschichten sind – auch heute noch – meistens frei erfunden.
Vielleicht erinnern Sie sich daran, dass ich vor kurzem darüber schrieb, wie ich meinen alten Grümpel in zwei Wäschekörbe legte, alles mit „Gratis. Zum Mitnehmen“ beschriftete und vor meine Tür stellte. Weil der Story eine Pointe fehlte, behauptete ich, am Ende des Tages hätten die Vorbeispazierenden nicht nur meinen Ramsch mitgenommen, sondern auch meine Wäschekörbe. Das war erstunken und erlogen - Die Leute liessen die Körbe nämlich brav stehen.
Und weil dies in Tat und Wahrheit so wunderbar funktionierte, kamen die Wäschekörbe vor wenigen Tagen wieder zum Einsatz, als ich ein paar alte Kleider loswerden wollte. Sie wissen, was jetzt kommt: Dieses Mal waren die Körbe am Abend wirklich weg!
Wie heisst es doch so schön: Gott straft sofort. Oder dann, wenn er Zeit hat.



