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Herzliche Grüsse von Olympia - Eric von Schulthess berichtet aus Peking

Mittwoch, 13. August 2008 in Verschiedenes
Impression von den Olympischen Spielen (Foto: Eric von Schulthess)
Der Grenchner Eric von Schulthess weilt derzeit als Kampfrichter an den Olympischen Spielen in Peking. Er hat uns einen Reisebericht zugestellt, den wir an dieser Stelle gerne veröffentlichen.

Schon bald ist es soweit, meine erste Olympia-Teilnahme kommt näher. Auf dem Bahnsteig am 7. August 2008, verabschiedete ich meine Gattin, dann ging die Reise über Zürich, Frankfurt in die Hauptstadt des Reichs der Mitte.

Der 10stündige Flug ging problemlos, Gesellschaft hatte ich von meinem polnischen Kampfrichterkollegen. Gespannt war ich auf die Einreise, benötigte ich kein spezielles Visum für China, meine Akkreditionskarte entsprach dem Visum. Gleich nach der Passkontrolle wurden wir von chinesischen Freiwilligen in Empfang genommen – zuerst mussten wir unsere Akkredition „aktivieren“, wir mussten unsere Ankunft anmelden damit das OK der olympischen Spiele wusste, dass wir hier sind.

Nachdem wir unsere Koffer in erhalten haben, wurden wir zu einem speziellen Ausgang für „Officials“ begleitet, wo bereits ein neuer VW Touran (VW ist offizieller Partner von Beijing 2008) auf uns wartete. Nach einer einstündigen Fahrt kamen wir schliesslich im Hotel an. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als wir die vorolympischen Wettkämpfe hatten, war vor dem Hotel eine grosse Personen- und Fahrzeugkontrolle (ich kam mir vor als trete ich in eine Kaserne ein). Nachdem mir in Hotel Einlass gewährt wurde, musste ich mich wieder anmelden – diesmal fürs Hotelzimmer. Danach hiess es Kleider fassen, denn hier tragen wir Uniformen – täglich wird uns mitgeteilt welche Kleider wir zu tragen haben. „Erinnerungen an die Rekrutenschule kommen wieder hoch!“

Als alle Formalitäten erledigt waren hiess es fürs erste „warten“ – laufend trafen Kampfrichterkollegen aus aller Welt ein und so wurde unsere „Familie“ grösser und grösser.

Den ersten offiziellen Termin hatten wir war um 16.00 Uhr. In der Zwischenzeit schreiben wir den 08.08.2008, ein nationaler Feiertag in China und gleichzeitig der „Eröffnungstag der 29. Olympischen Spiele“. Es hiess in den Bus einsteigen für die Eröffnungszeremonie. Alles war auf die Minute geplant, exakt um 16.00 Uhr fuhr der Bus zur Sicherheitskontrolle ab. Leider waren zwei Kollegen zu spät und mussten sich die Eröffnung am Fernseher anschauen. Diese konsequente Organisation war verständlich, kamen nicht weniger als 1'500 Busse mit „Officials“ an die Eröffnung und das muss alles fein säuberlich geplant sein und entsprechend ablaufen. Nach der Personen- und Fahrzeugkontrolle hiess es wieder einmal warten, bis der Konvoi – er bestand aus 6 Bussen – bereit stand. Eskortiert von der Polizei (2 Fahrzeuge vorne, 2 hinten) fuhren wir dann zum Olympia Stadion – „the Birdnest“, entworfen von den Schweizer Architekten „Herzog & de Meron“.

Die Eröffnungszeremonie, man konnte es schon überall lesen, war eine Perfektion und genial zugleich. Es liess keine Wünsche übrig! Nicht weniger als 208 Nationen nehmen mit ca. 10'500 Atlethen an diesen Spielen teil.

Am Samstag ging es dann das erste Mal auf die Wettkampfanlage – Kanu Slalom. Wir haben eine Besichtigung gemacht und wurden anschliessend in die Olympischen Spiele eingeführt. Am Abend wurden wir vom Chinesischen Kanuverband zu einem Empfang eingeladen.

Am Sonntag, 10.08.2008, widmeten wir uns den ganzen Tag der Rennvorbereitung, die am Montag mit den ersten Qualifikationsrennen unter Schweizer Beteiligung stattfinden. Alles wird bis ins letzte Detail vorbereitet und am Schluss gab es noch ein „Hauptprobe“ mit allen am Rennen beteiligten (Atlethen, Kampfrichter, Zeitmessung und Fernsehen). Diese Hauptprobe ging problemlos vorüber und so waren wir bereit für die Rennen.

Am Abend habe ich dem „Swiss House“ ein Besuch abgestattet und das erste mal Raclette mit „Stäbchen“ gegessen – um 23.00 Uhr mussten wir das Lokal aus Sicherheitsgründen verlassen, es regnete stark und der Regen begann in das „Swiss House“ zu drücken. Auf der Strasse ein Taxi gefunden, gingen wir wieder zurück in unsere „Festung“.

Es ist soweit, die Rennvorbereitungen für die ersten Qualifikationsrennen sind abgeschlossen, wir standen in 2-Kolone für den Einmarsch auf das „Field of Play“ bereit.
Die Slalomrennen sind in 2 Gruppen aufgeteilt; Gr. 1 sind C1(Einer-Kanadier Herren) und K1M (Kajak Herren), Gr. 2 sind C2 (Zweier-Kanadier Herren) und K1W (Kajak Damen). Am ersten Tag sind jeweils die Qualifikationen am 2. die Halb- und Finalrennen. Unter Ansage marschierten wir dann ein und bezogen unsere Richterpositionen. Das Rennen kann beginnen. Pünktlich starteten die Vorläufer, ein aller letzter Test ob alles funktioniert. Meine Position war gleich nach dem Start, ich richte mit meinem Team die Tore 1 – 4 und bin übrigens der dienstjüngste Internationale Kampfrichter, stand hier kurz vor meinem ersten Olympia Einsatz. Schon viele internationale Rennen habe ich gerichtet, trotzdem, kurz vor dem Start des ersten Kanuten verspürte ich eine Nervosität – Olympische Spiele sind und bleiben spezielle Wettkämpfe. Die ersten Qualifikationsrennen sind absolut problemlos verlaufen. Was enttäuschend war ist, dass die Zuschauerränge zu gerade einmal 40% besetzt waren – schade, ist doch Kanuslalom eine sehr attraktive Sportart zum zuschauen. Heute Dienstag, 12.08.08, finden die ersten Halb- und Finalrennen statt.

Neben all den olympischen Impression hat mich sehr beeindruckt, wie stark sich Peking in nur 12 Monaten entwickelt hat – vor allem die Verkehrsinfrastruktur. Trotz dieser Millionen Metropole hat mich überrascht, wie wenig Fahrzeuge auf den Strassen fuhren, die Strassen sind buchstäblich leer. Auch das Wetter, es war schwül (36° und hohe Luftfeuchtigkeit), der Smog lag in der Luft, wobei die Luft bedeutend besser war wie im vergangen Jahr. Am Vortag der Wettkämpfe hatten wir starke Regenfälle, was die Temperatur abkühlen liess, das Wetter ist äusserst angenehm.

Auch die Gastfreundschaft der chinesischen Kollegen ist extrem hoch. Es wird uns jeder Wunsch erfüllt („unserem engländischen Kollegen sagen wir immer wieder, welchen Standard wir in 4 Jahren erwarten“☺)! Neben den Wettkämpfen bekommen wir ein tolles Rahmenprogramm, das uns mit der Kultur bekannt macht, geboten.

Ein weiterer spezieller Aspekt dieser Wettkämpfe sind, im Gegensatz zu den anderen Wettkämpfen die ich bis jetzt erlebt hatte, dass man viele Athleten und Betreuer von anderen Sportarten und Nationen begegnet und kennen lernt. Auch innerhalb der Kanufamilie werden die Kontakte intensiver gepflegt „man gehört dazu“.

Last but not least möchte ich noch festhalten, dass die Organisation dieser Spiele – perfekt sind, der Qualität eines Schweizer Uhrwerks entsprechen, nie mussten wir auf einen Bus oder sonst warten, es war immer alles „on time“ da!

ONE WORLD ONE DREAM – dies ist das Olympische Motto.

„One World“ begegnet sich während 2 Wochen um sich sportlich zu messen – mit verschiedenen Sportarten in Kontakt zu kommen war genial.

Für mich ging „One Dream““ in Erfüllung – nie hätte ich je geglaubt einmal an olympischen Spielen aktiv dabei zu sein.

Es war ein einmaliges Erlebnis und ich bin dankbar dies erlebt haben zu dürfen.



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