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Kolumne: Fleischkräpfli und Opernarien

Donnerstag, 7. August 2008 in Kolumnen
(Paul-Georg Meister) - Mein Kollege Kurt ist eigentlich ein Country-Fan. Willie Nelson ist ihm musikalisch sicher näher als Luciano Pavarotti, und wahrscheinlich besitzt er keine einzige CD mit klassischer Musik.
Trotzdem konnte ich Kurt überzeugen, mit mir die Sommeroper in Selzach zu besuchen. Ich schenkte ihm einfach ein Eintrittsticket und schwärmte von den herrlichen Fleischkräpfli und dem guten Wein in der Pause.

Nun, Fleischkräpfli gibt es in diesem Jahr (leider) keine – sie wurden durch Pizza-Baguettes ersetzt. Dafür gab es bei „Viva la Mamma“ viele komisch-turbulente Szenen, Super-Arien und ein wundervolles Bühnenbild.

„Ich hab gar nicht gewusst, dass Opern so schön sein können“, sagte Kurt auf der Heimfahrt und für einmal tönte aus seinem CD-Player im Auto keine amerikanische Ländlermusik – er blieb einfach stumm. Die Oper hatte Kurt sichtlich beeindruckt.

Richtig erstaunt war ich allerdings erst, als ich Kurt zwei Tage später zu einem Fondue in meinem Garten einladen wollte. Bisher hatte er noch nie abgesagt.

Doch diesmal gab er mir einen Korb. „Ich besuche mit meiner Frau (sie ist übrigens Schlager-Fan) noch einmal die Oper in Selzach“, erklärte er. Und schon fast philosophisch fügte er an: „Fondue können wir immer wieder essen, die Oper aber wird ja nur während zwei Wochen gespielt.“

Also habe auch ich auf mein Fondue verzichtet. Und wissen Sie, was ich an diesem Abend gegessen habe? Natürlich ein Pizza-Baguette, die Fleischkräpfli gibt es ja in diesem Jahr nicht mehr ...

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