Sommeroper Selzach startet am 2. August - Ein Mann in High-Heels und andere Wirrungen
Dienstag, 29. Juli 2008
in Kultur
Nikolaus Meer (Bass) in der Rolle der Mamm‘ Agata. (Foto: Markus Daeppen)
Die Geschichte über Irrungen, Wirrungen und kleinere und grössere Skandale vor und hinter der Bühne wurde extra an den Schauspielort angepasst, denn „eine kanonisierte Fassung dieser Oper existiert nicht“, erklärt die Dramaturgin Georgia Eilert. So spielt die Oper in Selzach im Jahre des Herrn 1953. Eine italienische Operntruppe reist in das kleine Dorf und will die barocke Opera seria „Romulus und Erslilia“ in einem Gastspiel zum Besten geben. Dabei treffen sie auf den Selzacher Passionschor, der sich bisher nur die Passionsgesänge gewohnt ist, womit schon erste Spannungen auftreten. Doch es sind bei weitem nicht die Einzigen.
So befindet sich in der Truppe eine Primadonna (Maria Leyer) mit ihrem treu ergebenen Ehemann (Fabrice Raviola), eine debüttierende zweite Sopranistin (Anna Traub) mit ehrgeiziger Mutter (Nikolaus Meer), ein russischer Tenor (Jan-Martin Mächler), sowie natürlich alle anderen fürs Theater wichtigen Personen wie dem Impressario (Gero Bublitz), dem Komponisten Richard Ackermann), dem Librettisten (Karl Fäth) etc. Dass jede/R der Solisten die grösste und beste Partie in der ganzen Oper für sich beansprucht, ist klar.
Dass dabei Intrigen in allen Bereichen gesponnen werden, ebenfalls. Schliesslich wird es der Altistin (Alexandra Forster) zu bunt, sie steigt aus. Dies ist der grosse Augenblick der Mamm‘ Agata, welche sich schon immer als verkannter Star sah, zum Durchbruch. Doch auch der Tenor kämpft mit Stimmproblemen und wird schlussendlich durch den unbegabten Ehemann der Primadonna ersetzt. Die Generalprobe scheint vorerst gerettet, doch dann kommen finanzielle Probleme hinzu…
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Bassisten Nikolaus Meer, der in dieser Fassung von „Viva La Mamma“ die Mamm‘ Agata spielt. Es ist ein höchst amüsanter Anblick, einen Mann in High-Heels und in Frauenkleidern über eine Bühne stöckeln zu sehen.
Auf die Frage, wie es sich für ihn anfühle, mit Stöckelschuhen zu gehen, antwortete der Deutsche: „Anfangs war es ein seltsames Gefühl, doch ich sagte mir: Wenn Frauen es können, kann ich es auch.“ Anfangs habe er aber auch mit den typischen Problemen einer Stöckelschuh-Trägerin zu kämpfen gehabt. „Ich hatte anfangs ziemlich schmerzende Knie nach den Proben.“ Doch mittlerweile habe es sich gelegt. Allen Frauen, die gerne selber solche Schuhe tragen wollen, hat er sogar einen Tipp: „Stellt euch vor, auf den Zehen zu laufen.“
Für die Aufführungen in Selzach wurden teilweise Kostüme aus früheren Spielen im Passionsspielhaus ausgegraben und auch Teile des Bühnenbildes stammen aus dem Fundus der früheren Opernaufführungen.
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