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Grenchner Rettungsdienst: Keine Einsätze mehr in Lengnau, Arch und Co.

Dienstag, 17. Juni 2008 in Verschiedenes
Reinhard Grichting; Robert Gerber, Kommandant Polizei Stadt Grenchen, und Fahrzeug-Lieferant Ernst Mahler. (Foto: Christina Meister)
(Sabine Waelti) Der Ambulanz-Rettungsdienst (ARD) Grenchen hat ein neues Einsatzfahrzeug, der ARD darf in den benachbarten Berner Gemeinden keine Einsätze mehr leisten und die Grenchner Defibrillatoren haben neu eine Alarmvorrichtung.

Der Ambulanz-Rettungsdienst (ARD) Grenchen konnte vor wenigen Tagen eine neue Einsatzambulanz in Betrieb nehmen. Die Flotte des ARD besteht aus drei Rettungswagen, einem Hintergrundsdienstfahrzeug – mit diesem können keine Patienten transportiert, wohl aber Fachkräfte vor Ort geschickt werden – und einer Einsatzambulanz.

Letztere wird durch ein neues Fahrzeug ersetzt. Die grossräumigen Einsatzambulanzen werden im Gegensatz zu den Rettungswagen vor allem für Therapie- und Verlegungstransporte zwischen den Spitälern eingesetzt. „Sie können aber ebenfalls für Rettungseinsätze verwendet werden“, erklärt Marcel Schättin, Stellvertretender Leiter des ARD. Während der Euro 08 behalte man das alte Fahrzeug noch, danach werde nur noch die neue Einsatzambulanz verwendet.

Gemäss einer Statistik aus dem Jahresrapport 2007 der Polizei Stadt Grenchen hat die Anzahl Einsätze des ARD in den letzten Jahren massiv zugenommen: Während der ARD im Jahr 2000 noch 1120 Mal ausrücken musste, waren im Jahr 2007 insgesamt 2420 Einsätze zu verzeichnen.

Aushilfe in Solothurn und Olten


ARD-Leiter Reinhard Grichting führt dies unter anderem auf die seit zwei Jahren bestehende Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten der Solothurner Spitäler AG zurück. Dadurch sei der Grenchner Rettungsdienst nun aushilfsweise auch in Solothurn und Olten im Einsatz. Ein anderer Grund sehen Grichting und Schättin in der Schliessung der Notfallstation Grenchen im Oktober 2007 und deren schon im Vorfeld schrittweise reduziertem Angebot.

Keine Einsätze mehr in angrenzenden Berner Gemeinden


In Solothurn und Olten hilft der ARD aus, sobald Kantonsgrenzen überschritten werden, ist die Sache seit kurzem komplizierter. Bis Mitte Februar dieses Jahres rückte der ARD nämlich auch aus bei Notfällen in den angrenzenden Berner Gemeinden – namentlich in Arch, Leuzigen, Rüti bei Büren, Lengnau und Romont. Nun aber ist ein Beschluss des Kantons Bern in Kraft, welcher fordert, dass diese Einsätze von Biel aus erfolgen müssen. „Wir konnten innert fünf Minuten dort sein, von Biel aus dauert dies 20 Minuten“, sagt Grichting. Er berichtet von einem Fall, wo der ARD nach Lengnau ausrückte, weil eine Frau aus dem vierten Stock gestürzt war. Wie oft zählte jede Sekunde. „Heute dürften wir in einem solchen Fall nicht mehr helfen“, bedauert Grichting.

Alarmvorrichtung für Defibrillatoren

Der ARD hatte noch zu einem anderen Thema einen Neuigkeit zu vermelden: Die neun Defibrillatoren, welche seit letztem September in Grenchen montiert sind, sind nun alle mit einer speziellen Alarmvorrichtung ausgerüstet. Der Alarm wird direkt weitergeleitet. „Es ist aber trotzdem wichtig, uns anzurufen und uns über den genauen Ort zu informieren, wo sich die betroffene Person befindet“, betont Grichting.

Bisher seien Grenchens Defibrillatoren zwei Mal benutzt worden, sagt Grichting. Beide Male habe die betroffene Person kein Herzversagen gehabt, doch eine Gefahr sei für sie durch den Defibrillator nicht entstanden: „Das Gerät kann nur aktiviert werden, wenn es ein Kammerflimmern registriert“. Die Gefahr, dass im falschen Moment ein Elektroschock ausgelöst werde, bestehe also nicht, und: „Hätten die Betroffenen wirklich ein Kammerflimmern gehabt, hätte der Einsatz des Defibrillators ihr Leben gerettet.“ Der ARD hat bis jetzt 290 Personen aus der Zivilbevölkerung im Umgang mit dem Defibrillator ausgebildet. „Ab Herbst dieses Jahres werden wir wieder solche Kurse anbieten“, sagt Grichting.

Kommentare
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Wie wollen wir in Europa mitmachen wenn bei uns solche Sachen vorkommen. Es müssen wohl zuerst Menschen sterben bis man begreift. Ich hoffe nur, dass wenn dies eintrifft die verantwortlichen Personen, die dies veranlasst haben, zur Rechenschaft gezogen werden.
#1 Rolf Janz am 17.06.2008 12:44 (Antwort)
Wieso macht man soetwas?
typisch kantone. anstatt zusammen zu arbeiten grenzen sie sich immer mehr ab.
#2 vS am 17.06.2008 13:04 (Antwort)
Die Abschottung des Kanton Berns ist ja nun wohl mehr als peinlich - Schildbürgertum in Reinform. Offenbar nimmt dort der Bürokrates eine höhere Position ein als der Hippokrates.

Man muss nicht in den Nothelferkurs gegangen sein, um zu wissen, dass es auf die ersten Minuten ankommt, ob ein Leben zu retten ist oder nicht.

Vielleicht erfinden die Berner Bürokraten bald auch den kostenpflichtigen Defibrillator mit Münzschlitz. Nein, im Ernst: einfach nur peinlich.
#3 Andreas Kaufmann (Homepage) am 17.06.2008 13:19 (Antwort)
bald gibt es überall nur noch kästen und dann müssen wir uns selbst versorgen.
warum verbieten wir dem rettungsdienst nicht gleich aus grenchen rauszufahren.

für was zahlt man steuern?
dass die kantone unsere leben riskieren

wenn einer in lengnau einen unfall hat darf der rettungsdienst ihm nicht helfen?
muss jemand von biel kommen oder wie?

warum einfach wenn es kompliziert auch geht.

das ist das motto der schweizer bürokratie

mit ein paar wenigen ausnahmen

in solchen momenten überlegt man sich ob man nicht in ein wärmeres grösseres und billigeres land gehen soll
schliesslich haben wir bald kein besseres gesundheitssystem mehr als alle andern.
ich finde es lächerlich für solche kleinikeiten menschenleben aufs spiel zu setzen.

das ist doch traurig. und enttäuschend
#4 vS am 18.06.2008 10:13 (Antwort)
Endlich erkennt man dass auch in den angrenzenden Bernergemeinden nicht zweiklassige Menschen wohnen, sondern auch solche wie wir, denen in der Not auch die raschmöglichste Hilfe zukommen soll.
Denn auch die Feuerwehr Grenchen darf nicht mehr bei Verkehrs-oder Arbeitsunfällen wo es, wenn es sie benötigt, darum geht dem Rettungsdienst eventuell den nötigend Zugang zum Patienten zu schaffen gilt.
Wir hoffen, dass die Vernunft siegt und nicht die finanziellen Aspekte.
#5 Kdt Stadtfeuerwehr Grenchen am 18.06.2008 13:52 (Antwort)
Ich finde es sooderso eine absolute Frechheit, dass wir dem Staat und Kanton und Gemeinden so viel Geld zahlen, und für was?
dass man uns alles schliesst?

Es hat nicht jeder Geld wie Heu.

und was soll man den Verletzten sagen?

"Bitte wartet no 10minute" und 3minuten enfernt wäre ein Rettungsdienst, der aber nicht helfen kann, weil er im falschen Kanton ist?
Dann können wir doch gleich noch an jeder Kantonsgrenze einen Zoll aufstellen.

Und ich sehe auch nicht ein, was daran einfacher sein sollte?
wir sind ein Staat und der sollte zusammenhalten, und nicht kleinbürgerlich Kantone auseinanderhalten.
#6 vSutter am 21.06.2008 20:56 (Antwort)
Das Problem, entsteht wohl auch durch die Krankenkassen selbst. Soviel ich weis, muss man für die Behandlung ausserhalb des gewohnten Kantons, Zusatzversicherungen abschliessen?!
Aber WISO, musste unser 2jähriger (SO), als er in Grenchen auf den Hinterkopf fiel...nach BIEL transportiert werden ???
(Nicht mit der Ambulanz, privat)
DAS ist doch paradox ;-(
"OPEN SPITAL GRENCHEN" - und zwar für alle Fälle!!!
#7 Oli am 22.06.2008 16:04 (Antwort)

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