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Kolumne: Chrott im Hals

Freitag, 6. Juni 2008 in Kolumnen
(Sabine Waelti) - Es ist Ihnen sicher auch schon passiert: Sie verspüren den Drang, laut loszulachen, befinden sich aber gerade an einem Ort, wo Sie das auf keinen Fall wollen. Will ich mir in einer solchen Situation das Lachen verkneifen, halte ich leider auch nur halbwegs lustige Dinge plötzlich für unheimlich amüsant.
So geschehen vor wenigen Monaten: Ich besuchte einen Anlass mit mehreren Referenten, über den ich zu berichten hatte. Als erster Redner war der CEO einer bekannten Firma angekündigt. Aber die Organisatoren hielten sich nicht an den Plan und so kamen ständig andere Redner dran.

Blöd für die Fotografin eines anderen Blatts; Sie brauchte nämlich nur ein Bild vom CEO, sonst nichts. "Gopf, ich muss weiter, warum spricht jetzt nicht endlich der CEO?", flüsterte sie mir beim dritten Redner ins Ohr. Das wusste ich natürlich auch nicht und so antwortete ich, weil mir nichts Besseres einfiel: "Dä hett äuä grad e Chrott im Hals."

Zugegeben, ein eher mässig lustiger Witz. Aber der Umstand, dass wir auf keinen Fall lachen wollten, führte dazu, dass wir beide mitten in der Rede Nr. 3 laut losprusteten (sorry, lieber Referent!). Ich probierte wirklich alles: Ich schaute die Fotografin nicht mehr an, ich versuchte an etwas ganz Trauriges zu denken, ich hielt die Luft an, ich biss mir fast die Lippen ab - nichts half. Als der CEO dann doch noch zu Wort kam, wurde es auch nicht besser, weil ich mir die Kröte in seinem Hals jetzt bildlich vorstellte.

Noch heute muss ich übrigens jedes Mal von Herzen lachen, wenn ich der besagten Fotografin begegne.

Das ist überhaupt die schöne Seite an unfreiwilligen Lachanfällen: dass man wenigstens im Nachhinein ohne Luftanhalten und Auf-die-Lippen-beissen über das Geschehene lachen kann. So oft, so laut und so lange man will!

Kommentare
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Hallo Frau Wälti!

Sehr schön was Sie beschreiben.
Bei diesem spontanen, gegenwärtigen, unfreiwilligen Lachen sind wir EINS mit dem was sich nicht bewegt, was keine Kontrolle benötigt. Das was wir sind, aus dem alles kommt und wieder geht – STILLE (= Liebe, Friede, Glück). Meistens sind wir aber gefangen von unserem Geist (eine Ansammlung von Gedanken), der uns suggeriert was wir zu tun haben, wie wir es tun müssen... wie die “anderen“ es tun müssen und sein müssen...

Latose hat gesagt: Im Nichtstun ist alles getan.
Ich würde gerne ergänzen und sagen: Jedes Tun ist weniger als das NICHTSTUN.

Herzliche Grüsse
Rolf Bieri
#1 Rolf Bieri (Homepage) am 08.06.2008 08:07 (Antwort)

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