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Kolumne: Japan - Sauber, sauber, aber wo sind die Abfallkübel?

Samstag, 12. April 2008 in Kolumnen
Wo sind die Abfallkübel? (Foto: Michel Studer)
(Michel Studer) - Da Japan für uns nicht gerade einen Katzensprung entfernt liegt und es auch nicht alltäglich ist, dass man dieses Land besucht, haben sich im Laufe der Jahre viele Klischees gebildet, welche man dem „Land der aufgehenden Sonne“ zuschreibt. Darunter auch jenes der Sauberkeit. Wir als Schweizer kennen uns damit ja aus … Doch glauben Sie mir, auch wir westeuropäischen „Saubermänner“ könnten von den Japanern in dieser Hinsicht noch etwas lernen!

Beim gemütlichen Flanieren durch die Strassen der grossen (und auch kleineren) Städte Japans fällt es einem sofort auf: da liegt einfach nichts auf dem Boden, was da nicht auch hingehört!! Kaum ein Papierchen, keine Kaugummis, keine leeren Bierflaschen und nicht einmal die allseits beliebten Hinterlassenschaften unserer vierbeinigen Freunde findet man hier auf dem Asphalt.

„Nun ja, sie sind halt gewissenhafte Menschen, diese Japaner …“ mögen Sie nun denken. Und damit haben Sie auch recht, nur geht die Gewissenhaftigkeit viel weiter, als Sie vielleicht annehmen!

Machen wir einen Vergleich mit der Schweiz, wo man praktisch an jeder zweiten Hausecke einen Abfalleimer finden kann. Eine Massnahme der Stadtplaner, die für uns eine Selbstverständlichkeit darstellt. In Japan jedoch ist es praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, irgendwo (und vor allem „zufällig“) einen Abfalleimer zu finden. Dieser Umstand strapazierte meine und die Nerven meiner Freundin zu Beginn unseres Aufenthaltes hier regelmässig.

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen sich in einem der unzähligen „Convenient-Stores“ (winzige Supermärkte, auf Japanisch elegant „Konbini“ genannt) ein Sandwich. Gemütlich daran knabbernd gehen Sie weiter und bestaunen all das, was Japan Ihnen zu bieten hat, bis Sie Ihr Mahl beendet haben. Hm, okay, die Verpackung muss weg. Was machen Sie jetzt? Bei uns Schweizern hat sich da folgendes Denkschema durchgesetzt: einfach immer schön weiter gehen, in den nächsten fünfzig bis hundert Metern taucht bestimmt ein Abfalleimer auf … Tja, das funktioniert hier leider nicht. Es wird kein Abfalleimer auftauchen, nicht in fünfzig, nicht in hundert, auch nicht in zweihundert Metern. Und wenn Sie Pech haben, auch nicht den ganzen nächsten Kilometer. Vielleicht haben Sie auch ganz grosses Pech und müssen Ihre Verpackung bis zurück ins Hotel mit sich herum schleppen. Den Abfall einfach so auf die Strasse fallen zu lassen traut man sich nicht, denn man hat ja schliesslich so etwas wie Prinzipien …

Genau so ist es mir selbst vor einer Woche ergangen, als wir mit ein paar Kollegen einen Schrein in der Nachbarstadt Kyoto besuchten. Herrlich schöne Kirschblüten, festliche Stimmung, haufenweise Marktstände, an denen einem köstliche (und weniger köstliche) japanische Spezialitäten angeboten wurden … alles wunderbar. Bis ich wieder einmal mit einer leeren Verpackung da stand und nicht wusste wohin damit. Ehrlich gesagt, ganz schön nervig!! Und da drängt sich einem doch eine recht naheliegende Frage auf: wie, bei den Zehen Buddhas, machen das die Japaner??? Trägt da jede und jeder seine Abfälle den ganzen Tag lang mit sich herum?

Fragen, auf die ich seit meinen sechs Monaten hier noch keine eindeutigen Antworten finden konnte. Wie eingangs erwähnt, möglicherweise hängt es mit der Moral der Japaner und mit der Sorge, die sie zu ihrem Land tragen, zusammen. Daran sollten wir uns wenn möglich ein Beispiel nehmen. Denn dann bräuchte es in der Schweiz vielleicht gar nicht mehr so viele Abfalleimer …

Kommentare
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Man trägt wirklich schwer an so einer Sandwich-Verpackung. Da gehe ich völlig mit Ihnen einig, dass man sich davon möglichst rasch entledigen möchte. Ex und hopp - weg damit!
Wer als Fussgänger von Grenchen auf der Diepold-Schilling-Strasse nach Bettlach marschiert, stellt fest, dass die Aecker und Wiesen mit verschiedensten Ueberresten unserer Fress- und Kotzgesellschaft zugemüllt werden.
In einem Anflug von Wahnsinn schnappte ich mir mal einen "Ghüddersagg" und sammelte der Strasse entlang den Restmüll ein. Kinder, die mir begegnet sind und grosse Augen machten, fragten mich, ob ich denn von der Kirche sei!? Offenbar ist diesen Kindern klar, dass ich als unverbesserlicher "Gutmensch" eindeutig ein Auslaufmodell unserer Zuvielisation bin; eine Tatsache, die nur durch Betäubung meines Schmerzes tragbar wird.
#1 Hanspeter Vögtli (Homepage) am 14.04.2008 15:17 (Antwort)

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