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Fachkräftemangel ist eine Zeitbombe - Analyse des Fachkräftemarktes für technische Berufsgruppen am Jurasüdfuss

Sonntag, 16. März 2008 in Wirtschaft
Themenbild: Paul-Georg Meister
(hks) - Den Mangel an Fachkräften kennen seit jeher besonders die erfolgreichen Unternehmen. Heute ist das Problem in den meisten Branchen spürbar und engt die Unternehmen immer mehr ein. Ohne besondere Massnahmen kann eine Entspannung nicht erwartet werden. Dies sind die Ergebnisse einer Studie, welche das Netzwerk Espace Mittelland in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftkammer Biel–Seeland, der Innovationsberatungsstelle des Kantons Solothurn sowie mit den Kantonen Solothurn und Bern erarbeiten liess.

Begleitet wurde die Studie von einer Steuerungsgruppe aus Vertretern dieser Organisationen. In die Arbeiten einbezogen wurden auch weitere Organisationen wie beispielsweise die Handelskammer Solothurn oder der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern.

An rund 350 Unternehmen der Präzisionsindustrie im Raum Solothurn-Biel/Bienne gingen Fragebogen zum Thema Fachkräftemangel. Fast 100 haben geantwortet, mit 13 Unternehmen wurden längere Interviews geführt. Dabei kam folgendes heraus:

- Die Demografie zeigt, dass in den nächsten Jahren mehr Fachkräfte pensioniert werden als junge Berufsleute auf den Markt kommen. Pro Jahr können deshalb 10 – 15% der Fachkräfte durch diese Ressourcen nicht ersetzt werden.
- Der prozentuale Anteil an Lernenden in den Berufen der Präzisionsindustrie nimmt trendmässig ab. Andere Berufe sind bei den Jugendlichen – und ihren Eltern – mehr gefragt. Das Fachkräftemanko wird deshalb noch mehr zunehmen.
- Zu viele Lehrverhältnisse enden statt mit einem erfolgreichen Abschluss mit einem Abbruch und die Betroffenen suchen nachher ihr Glück ausserhalb der Branche.
- Die für den Raum erfreuliche Expansion der Medizinaltechnik und der Uhrenindustrie wird den Druck auf dem Arbeitsmarkt noch mehr verstärken.

Nur eine Verbundlösung verspricht langfristige Besserung

Lösungen sind auf verschiedenen Ebenen gefragt. Sie können nur im Verbund aller Beteiligten zustande kommen, getragen und finanziert werden. Ansätze dazu sind vorhanden, so beispielsweise:

- Bei Weiterbildungs- und Umschulungsangeboten, um Personen aus andern Berufen und Tätigkeiten für die Bedürfnisse der Präzisionsindustrie fit zu machen.
- Beim Lehrstellenmarketing. Über das Konzept „Lernverbund“ sind noch mehr Unternehmen zu animieren, Lehrstellen zu schaffen.
- Bei Angeboten für künftige Produktionsmitarbeitende mit einem schwächeren schulischen Rucksack. Die Einführung der 2-jährigen Attestlehre „Mechanikpraktiker“ könnte eine Antwort sein.
- Bei den Kompetenzzentren für die Berufs- und Ingenieurausbildung, die nicht weiter ausgedünnt werden dürfen. Konzentration ja, aber fachlich und auch geografisch nahe bei der Industrie.
- Mit einer Imagekampagne, um besonders die gewerblich-industrielle Berufsbildung und die Ingenieurberufe gegenüber andern Berufen besser und mit ebenso intakten Karrierechancen zu positionieren.

Bereits Mitte März 2008 wird sich die Steuerungsgruppe erneut treffen um das weitere Vorgehen festzulegen. Am 21. April 2008 findet im Kongresshaus in Biel eine Veranstaltung zur Thematik statt, an welcher, neben Vertretern der Wirtschaft, auch die Regierungsräte Klaus Fischer (Solothurn) und Bernhard Pulver (Bern) auftreten werden.

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