Kolumne: Unentbehrliche Karten
Donnerstag, 14. Februar 2008
in Kolumnen
Müsste ich alle Bücher, die ich lese, selbst kaufen, würde mich dies nämlich in den Ruin treiben. Am liebsten lese ich sie draussen in meinem Lieblingspark und lasse mich dabei von der Sonne anscheinen. Dafür ist es mir im Moment aber definitiv zu kalt.
Deshalb leide und freue ich mich mit den Helden und vor allem mit den Anti-Helden aus meinen Büchern zurzeit in geheizten Räumen - am Liebsten in Zug, Bus und Co.
Dabei bleibe ich nicht einfach Beobachterin, sondern fühle mich meist, als wäre ich selbst die Hauptperson dieses Buches, auch - oder gerade dann - wenn sich deren Leben ziemlich stark von meinem unterscheidet. Lese ich also gerade ein Buch über einen dauernd bekifften Gymnasiasten, so fühle ich mich wirklich ein bisschen wie ein dauernd bekiffter Gymnasiast. Ist die Hauptperson eine alte, traurige Dame mit Ordnungsfimmel, so bin ich im Moment des Lesens ebenfalls eine alte, traurige Dame mit Ordnungsfimmel (ja, sogar das geht!).
Natürlich lache ich auch oft mit den Protagonistinnen und Protagonisten meiner Bücher, was im Bus oder im Zug schon einige Leute verwundert haben dürfte.
Dass ich vor lauter Lesen vergesse, aus dem Bus zu steigen, kommt übrigens nicht selten vor, sondern eher häufig. Aber zum Glück drehen Busse ja fast immer Runden, so dass ich meist irgendwann doch noch dort ankomme, wo ich eigentlich hin wollte.
Neulich aber dachte ich im Zug erst zwei Stationen zu spät ans Aussteigen. Dummerweise war es ein Schnellzug. Jedenfalls reichten die zwei Stationen Rückfahrt gerade aus, um mein Buch fertig zu lesen.
In den Ruin treiben mich zum Glück auch diese Extra-Fahrten nicht. Ich habe nämlich nicht nur eine Bibliothek-Karte, sondern auch ein Generalabonnement.



