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Kolumne: Vorsätzliches

Donnerstag, 17. Januar 2008 in Kolumnen

(Sabine Waelti) - Wie geht es Ihren Neujahrsvorsätzen? „Meine Vorsätze fürs neue Jahr“, das war zu meiner Schulzeit immer der Januar-Aufsatzthema-Klassiker. Und so kam es, dass ich alle Jahre wieder auf Deutsch, auf Französisch und auf Englisch je einen Text schrieb über mein Vorhaben, im neuen Jahr – im Gegensatz zu vorher – ab und zu mein Zimmer aufzuräumen.
Und immer so Mitte Januar, also etwa jetzt vor einigen Jahren, kriegte ich diese Aufsätze zurück und dachte mit schlechtem Gewissen an mein Zimmer, welches nun noch schlimmer aussah als im Jahr zuvor.

Und jährlich grüsst das Murmeltier … Später bezog sich derselbe Vorsatz jeweils auf meine Wohnung – mit ähnlich kläglichem Erfolg – bis ich vor etwa fünf Jahren beschloss: „Ab jetzt boykottiere ich dieses ganze Vorsatz-Tralala.“ Meine Hammer-Ausrede, wenn mich jemand fragte, was ich mir fürs neue Jahr vornehme: „ Wenn ich etwas umsetzen will, dann tue ich das immer gleich, da warte ich nicht bis zum 1. Januar!“

Natürlich hiess das ganz und gar nicht, dass ich plötzlich an einem 17. März oder an einem 23. Oktober begann, meine Wohnung aufzuräumen, aber im Gegensatz zum 1. Januar fragte ja dann auch kein Mensch nach meinen Vorsätzen.

Dieses Jahr aber wollten mein ebenso chaotischer Lebenspartner und ich alles anders machen. Überwältigt von einem Motivationsschub – woher der plötzlich kam, ist mir immer noch ein Rätsel – räumten wir über die Festtage unsere Wohnung auf.

Mit einer Ausnahme: Unser Arbeitszimmer (inoffizieller Name: Grümpelzimmer) liessen wir unangetastet. Diesen Raum sparen wir uns für Vorsatz 2009.
Was mich selber erstaunt: Bis jetzt sind wir so diszipliniert, alle unsere Räume ausser dem Grümpelzimmer einigermassen in Ordnung zu halten, dass ich, wenn ich heimkomme, manchmal zuerst denke, ich hätte mich im Stockwerk getäuscht.

Anlass zu einem Ich-bin-ja-so-stolz-auf-mich-Höhenflug also, fand ich, zumindest bis ich im Büro davon erzählte. „Du, also, das neue Jahr ist gerade mal zwei Wochen alt“, lachte mein Chef, „so eine Leistung ist das aber noch nicht.“

„Aber, ähm …“, war meine Antwort. Aber, ähm … nichts! Höhenflug ade.

Immerhin, 17 Tage Durchhalten sind trotzdem mal ein Anfang. Vielleicht, aber nur vielleicht, erzähle ich Ihnen später mal, wie wir uns längerfristig so gehalten haben.

Vielleicht – und dann wissen Sie auch Bescheid – aber auch nicht.

P.S: Mein Chef hat sich fürs 2008 vorgenommen, nicht mehr zu rauchen. Seit dem 3. Januar raucht er wieder.

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