Kolumne: Das liebe Sturmgewehr
Freitag, 28. Dezember 2007
in Kolumnen
(Parzival Meister) - Hallo meine Lieben. Ich hoffe ihr habt die besinnliche Zeit im Kreise der Familie genossen und ordentlich Speck angesetzt – Euch soll es ja nicht besser gehen als mir.
Die letzten Tage waren eine friedliche Idylle. Und trotzdem war da stets ein Funken Angst in mir. Ich fühle mich nämlich in der Gesellschaft irgendwie nicht mehr so wohl. Schuld daran sind die Diskussionen um die Armee-Waffe. Soll man das Sturmgewehr nun zu Hause haben dürfen, oder es nach den WKs im Zeughaus abgeben? Meine Meinung dazu war eigentlich klar: Natürlich kann man das Gewehr im eigenen Estrich lagern. Doch unzählige Diskussionen mit anders Denkenden, haben mich bekehrt. Besteht die Chance, dass auch nur ein Mord durch diese Massnahme verhindert werden kann, so macht diese absolut Sinn.
Der Gedanke liess mich nicht los. Denn so zusagen ist jeder Mensch ein potentieller Mörder. Wie heisst es so schön: Gelegenheit macht Diebe. Und anscheinend auch Mörder! Ergo kann jeder Gegenstand zu einer Gefahr werden, solange er im Besitz eines Menschen ist.
Als also an Weihnachten die Gans mit dem grossen Küchenmesser zerteilt wurde, fiel mir sofort ein, wie gefährlich dieses Ding doch ist. Fazit: verbieten! Essen sollte künftig nur noch Mundgerecht portioniert verkauft werden, da jegliche Art von Messern zu Hause verboten gehören. Im gleichen Zug müssen die spitzigen Gabeln aus dem Haushalt verbannt werden. Es geht noch weiter: Pfannen = Schlagwaffen, also verbieten! Autos = Unfall, also verbieten! Zigaretten = Gefahr, also verbieten. Gläser, Vasen und Flaschen = Wurfgegenstände, also verbieten!
Wenn ich es mir recht überlege, ist praktisch alles, was man einem Menschen überlässt, höchst gefährlich. Jemand muss endlich handeln. Am Besten verbaut man sofort alles mit Betonblöcken nach dem Schema eines Hochsicherheitstraktes. Uns allen wird dann eine solche Zelle, sorry Wohnung zugewiesen. Raus dürfen wir nur mit einem Wächter und alles was wir tun, wird strengstens überwacht. Wenn es endlich soweit ist, ja erst dann kann ich sagen: Ich fühle mich sicher in dieser Gesellschaft!
In diesem Sinne: Passen Sie auf, in welche Richtung Sie an Silvester den Korken knallen lassen. Es könnte ja jemand verletzt werden und wir wollen doch nicht, dass Champagnerflaschen im nächsten Jahr verboten werden! Guete Rutsch…



