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Kolumne: Ratschläge für den Samichlaus

Donnerstag, 6. Dezember 2007 in Kolumnen

(Paul-Georg Meister) - Kürzlich, als ich spätabends mit meinem Hund spazieren ging, setzte ich mich im Stadtpark auf eine Bank. Da bemerkte ich, dass die Bank neben mir besetzt war. Zwei Männer waren in ein Gespräch vertieft, sie beachteten mich nicht. „Niemand glaubt mehr an mich“, schluchzte der eine, der einen langen weissen Bart in seinem Gesicht hatte und in ein rotes Gewand gehüllt war, „die Leute glauben nur noch an Aktienkurse, Portfolios und an das eigene Bankkonto, was soll ich machen?“
„Du musst nicht weinen“, sagte der andere Mann. Er trug einen Nadelstreifenanzug und nehmen ihm auf der Bank sah ich eine Aktentasche: „Du bist eben hoffnungslos veraltet“, sagte der im Nadelstreifenanzug. „Du sprichst davon, dass sich die Leute lieb haben sollen, und dass sie einander gegenseitig helfen sollen und sich beistehen. Das ist schon lange passée.“

„Was soll ich den machen“, fragte der Samichlaus interessiert.

Also erklärte der andere: „Du musst die Samichlaus AG gründen. Dann musst du schauen, dass die Schmutzlis noch mehr arbeiten, natürlich mit etwas weniger Lohn. Die Esel kannst du durch Lieferwagen ersetzen, denn somit lassen sich Kosten sparen.“ Der Samichlaus staunte. „Ja, du musst schauen, dass dein Geschäft rentiert. Nichts verschenken, auf keinen Fall Mitleid mit deinen ausgebeuteten Schmutzlis haben und vor allem keine Gefühle zeigen. Du musst die Rendite im Auge behalten und schauen, dass du knallhart die Kosten der Samichlaus AG senken kannst. Schmutzlis gibt es ja genug.“

Nun kam der Mann im Nadelstreifenanzug in Fahrt: „Mit dem so eingesparten Geld, kannst du als erstes deinen Managerlohn jedes Jahr mindestens verzehnfachen und mit dem andern Geld kaufst du die Osterhasen GmbH, nachdem du die Hälfte der Schmutzlis entlassen, und damit die Produktion verdreifacht hast, weil die andern nun auch Angst haben, ihren Jo zu verlieren.“

„Meinst du nicht, die Schmutzlis werden sich zur Wehr setzen?“, fragte Samichlaus. „Spinnst du, lachte der andere, „sicher nicht. Wenn sie einmal so
richtig aufbegehren, dann gibst du ihnen ein bis zwei Prozent mehr Lohn. Aber aufgepasst: Es muss ein Leistungslohn sein, den nur diejenigen bekommen, die dir loyal ergeben sind. Den andern drohst du einfach mit Kündigung“.

Samichlaus staunte. Aber der andere fuhr fort: „Dann musst du alle Osterhasen entlassen, denn diesen Job können ja deine Schmutzlis im Frühling übernehmen und schliesslich musst du auch die St. Valentin AG aufkaufen und deiner Weihnachtsmann Holding einverleiben. Natürlich musst du St. Valentin und den Osterhasen in den Verwaltungsrat der Holding aufnehmen und ihnen exorbitante Löhne und Optionen zuschanzen, damit sie dich später bei der unfreundlichen Übernahme der Christkindli & Tannenbaum AG unterstützen und wenn es dir dann noch gelingt, die Geburtstags GmbH und die Verlobungs- & Hochzeits-Genossenschaft unter den Nagel zu reissen, dann hast du es geschafft.“

Da lachte der Samichlaus: „So werde ich es machen“ versprach er, beiden standen auf und gingen weg, ohne mich eines Blickes zu würdigen.

Als ich am Morgen erwachte, wusste ich nicht mehr, ob ich das Ganze nur geträumt hatte. Doch als ich über den Marktplatz ging, sah ich den Samichlaus vor einer Grossbank stehen und Kindern die Hand schütteln, und als ich an ihm vorbeiging, zwinkerte er mir zu.

Ich glaube, er hat die Vorschläge ernst genommen. Und wer sich im Adventsrummel ein wenig umsieht, kann heute schon erkennen: Der Samichlaus hat mit dem Aufbau seiner Holding begonnen…

Kommentare
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Hallo lieber Paul

Gefällt mir sehr gut deine wahre Geschichte!

Ich z.B. bin Investor und spende sehr viel für gute Zwecke...und zahle auch sehr pünktlich die Kirchensteuer und meisten zahle ich noch etwas mehr, damit ich von Samichlaus ja erhört werde und es mir einmal gut geht im Himmel... ;-)

Übrigens; als Grenchner Bürger und Unternehmer investiere ich auch mit Steuergelder in die Stadt Grenchen, zusammen mit meinen ortsansässigen Mitarbeitern, welche auch die Stadt beleben mit einkaufen.
Leider wird dies nicht anerkennt, letztes Beispiel Kunsthaus Grenchen. Siehe einmal Baureklametafel…Aufführung der ausführenden Firmen…;-)

Auf den Samichlaus ist wirklich kein Verlass mehr! :-)
#1 Rolf Bieri (Homepage) am 07.12.2007 10:04 (Antwort)
Ob nun zynisch gemeint, oder nicht;
Was soll ich nun zu meinen Kindern predigen.
Dieses Jahr hat er sich in der Firma auch nicht
blicken lassen - (war wohl zu teuer geworden).
"Boomen tut grad das Helloween und der Weihnachtsmann".
Da kann man 2x profitieren !
Ich wünsche allen viel Geld (zur Weihnacht)...
Ach ja, ...und noch ein schönes Leben.
#2 Oli G am 10.12.2007 19:07 (Antwort)

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