Kolumne: Gopfridlinomaaau
Donnerstag, 22. November 2007
in Kolumnen
(Sabine Waelti) - Es ist erst wenige Tage her: Ich habe zu wenig geschlafen, zu viel gearbeitet und will im Supermarkt meine Einkäufe bezahlen. Im Dämmerzustand stehe ich an der Warteschlange. Da, ohne Vorwarnung, bellt es hinter mir: "Sehen Sie denn nicht, dass Sie dran sind, gopfridlinomaaau!"
Aua, das fühlt sich nicht gut an. In meinem unausgeschlafenen Gehirn formieren sich so einige Nettigkeiten für die Dame hinter mir, die da soeben an mir ihre Aggressionen auslässt. Da so richtiger Zoff aber gerade das ist, was mir noch fehlt, besinne ich mich anders, beisse mir auf die Lippen und bezahle wortlos meine Sachen.
Nun, wir sind alle nur Menschen. Vielleicht ist die oben zitierte Frau normalerweise die netteste Person der Welt, war aber an jenem besagten Tag wie ich unausgeschlafen und überarbeitet. Und was mich betrifft, ich habe mein Schlafmanko wieder ausgeglichen und kann deshalb wieder einkaufen gehen, ohne von wildfremden Leuten angepfluteret zu werden.
So weit alles halb so wild. Was mich jedoch wirklich beschäftigt, ist etwas anderes: Ich beobachte in letzter Zeit sehr häufig, dass sich viele Leute genauso ungeduldig verhalten gegenüber Menschen, die aus körperlichen, psychischen, geistigen oder altersbedingten Gründen nicht mit unserer hektischen Gesellschaft mithalten können. Und das stimmt mich traurig.
Zudem lässt es mich nicht gerade mit Euphorie in die Zeit blicken, in der ich selber alt sein werde. Sofern es in jener Zeit noch Einkaufszentren gibt, werde ich dann wohl ziemlich viel öfter als heute nicht merken, dass ich "gopfridlinomaaau" mit Bezahlen an der Reihe wäre. Einziger Trost: Die meisten Motz-Brocken von heute werden dann ebenfalls alt sein. Und sich vielleicht hin und wieder an ihr eigenes "gopfridlinomaaau" erinnern.



