Gemeinderat stellt Weichen für eine Privatisierung des Grenchner Spitals
Donnerstag, 22. November 2007
in Grenchen
Wohin führt der Weg des Spitals Grenchen? (Foto: Paul-Georg Meister)
Für die Zukunft des Spitals Grenchen ist noch einiges ungewiss. Der Kanton Solothurn möchte das Spital bis zum Jahr 2020 in ein medizinisches Alterszentrum überführen, doch auch hier ist noch vieles unklar und die Schwierigkeiten stecken bekanntlich im Detail.
Aufgrund dieser Ausgangslage wurde im Grenchner Gemeinderat im August eine überparteiliche Motion eingereicht, welche die Wirtschaftsförderung mit der Ausarbeitung einer Studie über die wirtschaftlichen Möglichkeiten zur Privatisierung des Grenchner Spital beauftragte. Dieser Bericht liegt nun vor und wurde vom Gemeinderat an seiner letzten Sitzung zur Kenntnis genommen.
Im Anbetracht der aktuellen Markt- und Wettbewerbssituation könne die Zukunft des Spitals Grenchen nicht als gesichert betrachtet werden, erklärte Wirtschaftsförderer René Götz im Gemeinderat. Es existieren von Seiten der Solothurner Spitäler AG zwar Entwicklungsszenarien für Grenchen, doch es fehle an einem konkreten Vorgehensplan.
Zudem hat die Studie ergeben, dass zur Zeit in der Region tatsächlich kein Bedarf für ein weiteres Akutspital bestehe und – so die Studie – auch eine Notfallpforte lasse sich in Grenchen kaum wirtschaftlich begründen.
Die Studie kommt deshalb zum Schluss, dass die Ansiedlung einer Spezialklinik mit einer privaten Trägerschaft eine mögliche Lösung für Grenchen darstelle. Diese Möglichkeit wurde bereits bei der Schliessung der Gynäkologie in Grenchen diskutiert, damals scheiterte der Vorstoss allerdings an der Weigerung des Kantons Solothurn, diese mögliche Spezialklinik auf die Spitalliste zu setzen.
Doch jetzt stehen die Vorzeichen anders: Der Regierungsrat hat seine Bereitschaft signalisiert, eine Spezialklinik in Grenchen auf die Spitalliste zu setzen, vorausgesetzt, dass sie keine Leistungen anbietet, die bereits von der Solothurner Spitäler AG gedeckt werden und ausserdem ein Bedürfnisnachweis erbracht werden könne.
Und genau in diesem Bereich, so erklärte der Wirtschaftsförderer, seien erste erfolgreiche Verhandlungen geführt worden. So habe ein potentieller Investor und Betreiber von Privatkliniken aus dem süddeutschen Raum sein Interesse an einem Standort in Grenchen bekundet. Wer genau hinter diesem Angebot stehe, könne zur Zeit allerdings noch nicht gesagt werden.
Im Grenchner Gemeinderat aber stiessen die Empfehlungen des Wirtschaftsförderers auf guten Boden und er beschloss, dass in dieser Richtung weitere Gespräche und Abklärungen getroffen werden sollen.
Damit wird also ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Grenchner Spital eröffnet – wohin dieser Weg allerdings führen wird, das ist zur Zeit wohl noch nicht mit letzter Konsequenz absehbar.




Wir brauchen ein Spital für den gewöhnlichen Bürger.
Aber für den Stadtpräsidenten wäre es natürlich schön, wenn auch noch mit einer Vip-Klinik bluffen könnte.