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Strommarktliberalisierung und Preisentwicklung: Liberalisierung bringt höhere Strompreise

Dienstag, 13. November 2007 in Grenchen
Andreas Hirt, Leiter Grösstkunden der BKW FMB Energie AG Schweiz, orientierte über den aktuellen Stand der Liberalisierung. (Foto: pgm)
(Paul-Georg Meister) - Welche Auswirkungen wird der liberalisierte Strommarkt auf die Grosskunden der Städtischen Werke Grenchen (SWG) haben? Wie werden sich die Strompreise nach der Liberalisierung wahrscheinlich entwickeln? Diese Fragen standen im Zentrum einer Informationsveranstaltung der SWG im Grenchner Parktheater. Klar ist: Die Preise werden steigen.
Am 1. Januar 2008 wird der Schweizerische Strommarkt in einem ersten Schritt für Kunden mit einem Volumen von über 100‘000 KwH jährlich liberalisiert. Noch immer sind vor allem für die Betroffenen viele Fragen offen – es bestehen Unsicherheiten.

Genau deshalb luden die SWG Vertreter/innen aus Industrie und Gewerbe, aber auch interessierte Privatpersonen zu einer Informationsveranstaltung ins Grenchner Parktheater ein. SWG-Direktor Per Just und Andreas Hirt, Leiter Grösstkunden der BKW FMB Energie AG Schweiz, orientierten über den aktuellen Stand der Liberalisierung und über die Erfahrungen, die man im liberalisierten europäischen Strommarkt – vor allem in Deutschland – in den letzten Jahren gemacht hat.

Gemäss den rechtlichen Grundlagen wird der Strommarkt in der Schweiz auf den 1. Januar 2008 für Grosskunden liberalisiert. Im Jahr 2012 soll dann der Markt für alle Kunden geöffnet werden – dieser Beschluss untersteht aber noch dem Fakultativen Referendum. Die Grosskunden können jedoch aufgrund der Übergangsbestimmungen frühestens per 1.10.08 den Strom von einem anderen Lieferanten beziehen.

Was wird sich also per 1. Oktober 2008 ändern? Der Strommarkt wird heute auch in der Schweiz von Monopolisten kontrolliert. Das heisst, der Kunde hat nur äusserst beschränkte Möglichkeiten seinen Stromanbieter frei zu wählen. Genau dies wird mit der Liberalisierung geändert, erklärte Andreas Hirt: „ab diesem Zeitpunkt herrscht Wettbewerb.“

Allerdings musste er auch diese Aussage ein wenig einschränken. Während der Kunde neu nämlich für die elektrische Energie den Anbieter wird wählen können, so herrscht faktisch noch immer ein Netzmonopol, denn zur Stromlieferung wird man weiter auf die bestehenden Netze angewiesen sein, hier ist eine freie Wahl also nicht möglich. Weiter erklärte, Andreas Hirt, auch die komplizierte künftige Rechnungsstellung, die sich neu auf den Energiebezug auf der einen Seite und die Netznutzung auf der andern Seite abstützt. Neu werden dem Kunden also alle Dienstleistungen in Bezug auf die Energielieferung direkt verrechnet werden, möglicherweise allerdings von verschiedenen Anbietern.

Interessant für die Anwesenden waren aber sicher die Auswirkungen, die der liberalisierte Strommarkt auf die Kunden haben wird. „Wer einmal den Anbieter wechselt, der ist für immer frei“, betonte Andreas Hirt. Das heisst, wer den Anbieter wechselt, kann zwar zu seinem früheren Anbieter zurückkehren, dieser ist allerdings nicht mehr verpflichtet, diesen aufzunehmen. Er kann in diesem Fall eine Stromlieferung also auch verwehren. Der Kunde muss sich dann nach einem Anbieter umsehen und somit auch den Preis akzeptieren, der ihm vom neuen Anbieter angeboten wird.

Die Preisentwicklung war ein weiterer Schwerpunkt des Informationsabends. Aufgrund der Erfahrungen, die man im Deutschland gemacht hat, glauben sowohl Andreas Hirt als auch Per Just, dass sich die Strompreise in der Schweiz in den nächsten Jahren nach oben entwickeln werden. Per Just nannte sogar konkrete Zahlen. „Nach meiner ganz persönlichen Einschätzung muss per 1.1.09 mit einer Preissteigerung von ca. 20 Prozent gerechnet werden.“ Treibender Faktor für diese Steigerung ist jedoch nicht die Marktöffnung, sondern die immer knapper werdenden Produktionsreserven.

Der Informationsabend war sehr interessant und umfassend, doch wegen den fehlenden gesetzlichen Ausführungsbestimmungen können auch viele Fragen noch nicht endgültig beantwortet werden. Per Just versprach deshalb den Anwesenden: „Wenn wesentliche neu Fakten vorliegen, werden wir Sie wieder informieren“ – Man darf also gespannt sein.

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