Volkshochschule Grenchen - "Mit Babies kommunizieren bevor sie sprechen können"
Mittwoch, 7. November 2007
in Familie
Dominique Im Hof zeigt das Zeichen für "Schlafen" (Foto: Sabine Waelti).
„Unsere 13-monatige Tochter sagt oft „da-da-da“. Wir möchten gerne besser verstehen, was sie uns jeweils sagen will“, berichtete eine junge Mutter. Gemeinsam mit ihrem Partner besuchte sie den Kurs „Babyzeichensprache - Mit Babies kommunizieren bevor sie sprechen können“, welcher vor wenigen Tagen zum ersten Mal an der Volkshochschule Region Grenchen angeboten wurde. Drei Paare und zwei weitere Frauen besuchten den 3-stündigen Workshop mit Kursleiterin Dominique Im Hof. Alle von ihnen sind Eltern von Kindern im Alter von 6 Wochen bis 14 Monaten.
In die Gedankenwelt der Kinder sehen
„Die Zeit, in der Kinder nichts mitteilen können, wird durch das Vermitteln einfacher Handzeichen kürzer“, erklärt die Kursleiterin. Sie empfiehlt den Eltern, etwa ab dem sechsten Monat mit den Zeichen anzufangen. Am Anfang gehe es vor allem darum, dass das Kind seine Grundbedürfnisse mitteilen könne mit Zeichen, die etwa „Hunger“ oder „Milch“ bedeuten würden. „Aber später wird es immer wichtiger, dass die Zeichen dem Kind beim Erzählen helfen.“ Dies habe ihr selbst geholfen, früher in die Gedankenwelt ihres Sohnes zu sehen.
„Es geht natürlich auch ohne diese Zeichen“, erklärte Im Hof, „Aber ich möchte die Erfahrungen, die ich dadurch mit meinem Kind gemacht habe, nicht missen.“
Im deutschsprachigen Raum noch sehr neu
Die Anfänge der Babyzeichensprache finden sich in den 80er Jahren in den USA. Im deutschsprachigen Raum ist sie noch sehr neu: 2004 entwickelte die Deutsche Vivian König zusammen mit diversen Fachleuten eine neue Version dieser Zeichensprache. Basis ist die deutsche Gebärdensprache.
Kursleiterin Dominique Im Hof kam durch ihr Studium – sie studierte im ersten Nebenfach allgemeine Sprachwissenschaften – erstmals mit dem Thema in Kontakt. Als sie vor zwei Jahren Mutter eines Sohnes wurde, suchte sie nach einer Möglichkeit, selbst eine Zeichensprache zu verwenden, wenn sie mit ihrem Sohn sprach. In der Region Bern, wo Im Hof lebt, gab es allerdings noch keine solchen Angebote. So kam es, dass sie selbst zur ersten und bisher einzigen Kursanbieterin in ihrer Region wurde. In Bern bietet sie nicht nur einmalige Workshops für Eltern an, sondern auch Kurse, welche die Eltern mit ihren Babies zehn bis zwölf Mal besuchen.
Die acht Personen, die den Grenchner Workshop besuchten, zeigten grosses Interesse, insbesondere, als ihnen Im Hof einzelne Zeichen beibrachte – wie etwa diejenigen für „Katze“, „Lampe“, „WC“, „heiss“ oder „aua“. „Wie geht jetzt das Zeichen für „mehr“ schon wieder?“ – solche Fragen wurden häufig gestellt.
"Zeichen bremsen die Kinder nicht"
Es gab aber auch kritische Fragen: „Bremsen die Zeichen das Kind denn nicht beim Sprechen-Lernen?“, wollte eine Mutter wissen. In den USA gebe es Langzeitstudien, erklärte Im Hof. Nicht wenige dieser Studien kämen zum Resultat, dass Kinder, die solche Zeichen lernen, sogar früher sprechen könnten als andere. Im Hof steht Studien im Allgemeinen zwar eher skeptisch gegenüber, dennoch ist sie überzeugt: „Die Zeichen bremsen die Kinder sicher nicht. Sie fördern das Interesse an der Sprache.“ Neben der Geste würden die Eltern das Wort ja auch aussprechen. Und: „Wenn ein Kind ein Wort sagen kann, wird es das auch tun. Das Zeichen wird dann verschwinden.“
Dominique Im Hof empfiehlt, die Zeichen zu verwenden, welche Vivian König entwickelt hat, und diese mit persönlichen, selbst erfundenen Zeichen anzureichern. Für das eigentliche Zeichen für „Grossmutter“ wird zum Beispiel mit der Hand ein „Bürzi“ angedeutet. „Das ist altmodisch“, meinte Im Hof schmunzelnd, „erfinden Sie da ruhig etwas Persönliches.“
Mehr zum Thema finden Sie auf der Website www.Babyzeichensprache.ch. Die Volkshochschule bietet am 25. April 2008 wieder einen Kurs zur Babyzeichensprache an (weitere Infos dazu erscheinen im Kursprogramm von 9. Januar 2008).



