KOLUMNE: Arschtritt zum Zweiten
Donnerstag, 11. Oktober 2007
in Kolumnen
Lieber Parzi
„Die Schöfli auf dem SVP-Plakat symbolisieren die weltoffene und multikulturelle Schweiz“, hast du vor ein paar Tagen an dieser Stelle geschrieben, und: „Alles liegt im Auge des Betrachters“.
Meine Augen sehen die Botschaft: Wer anders ist als die anderen, verdient einen Arschtritt.
Ein dunkelhäutiger Bekannter von mir, nennen wir ihn mal Pedro, – und er gehört nicht zu den Menschen, die unter chronischer Rassismus-Paranoia leiden – interpretiert das Schöfli-Plakat so: „Ich bin in der Schweiz nicht willkommen.“
Du siehst, alles liegt im Auge des Betrachters.
Nein, ich bin nicht auf dem „Denäää-sött-mää-häuuufäää“-Trip, wie du jetzt vielleicht denkst. Natürlich wünsche auch ich mir, dass die Menschen in unserem Land – sowohl schweizerischer als auch ausländischer Herkunft – sich an bestehende Gesetze halten und dafür bestraft werden, wenn sie dies nicht tun.
Mit den Schöfli nimmt die SVP aber in Kauf, dass die Wählerinnen und Wähler „Ausländer raus“- und „Bitte-haltet-alles-Andersartige-von-mir-fern“-Assoziationen machen. Und wie die Geschichte uns immer wieder zeigt, sind Menschen für solche Botschaften empfänglich – oft mit fatalen Folgen.
Vielleicht aber täusche ich mich ja völlig und meine Ängste sind unbegründet. Vielleicht wird sich schon bald zeigen, dass in diesem Land nur reflektierte Politikerinnen und Politiker (von der SVP und von anderswo) sowie Wählerinnen und Wähler leben, die – ich zitiere dich nochmals – „nur zwischen Gut und Böse und nicht nach Herkunft unterscheiden“. Glaub mir, ich wäre die Erste, die sich über ein solches politisches Paradies freuen würde!



