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Gratis-Verpflegung am Wochenende

Donnerstag, 27. September 2007 in Kolumnen

(Paul-Georg Meister) - Mein Kollege Kurt hat ein neues Hobby. „Gratis-Verpflegung am Wochenende“ heisst es und es geht so: Jedes Wochenende schaut Kurt, wo er sich gratis verpflegen kann und, wie er mir kürzlich vorschwärmte, es funktioniert!
Am letzten Wochenende zum Beispiel besuchte er zuerst das Winzerfest. Die Weine waren hervorragend und die Eigenkreationen der Grenchner Gwerbler Gasser, Guex und Fischer ein Traum. „Das Traubenbrot war super“, schwärmte er, „das Fleisch hervorragend und der Käse absolut delikat – ein supertolles Apéro.“

Das Gratis-Mittagessen war dann schon etwas schwieriger. Doch zum Glück gibt es die Anzeiger. Daher wusste er nämlich, dass das Restaurant Bad Kyburg neu eröffnet wurde, also nichts wie hin, zumal es am Schmelzi-Fest allem Anschein nach nichts gratis gab.

Das Gratis-Mittagessen musste allerdings nur kurz ausfallen, schliesslich wollte er noch die Hauptübung der Feuerwehr besuchen (einfach aus Interesse, nicht aus kulinarischen Gründen). Doch dazu kam es nicht. Kurt entdeckte nämlich, dass er sich die Fahrt nach Kyburg-Buchegg hätte sparen können, schliesslich gab es bei der SVP auf dem Marktplatz Gratis-Matchwürste und Müller-Bier. Und weil die SVP nur bis vier Uhr anwesend war, musste er die Hauptübung sausen lassen. Zitat Kurt: „Da muss man Prioritäten setzen können.“

„Allerdings“, so verriet mir Kurt, „war das letzte Wochenende nicht so optimal. Das vorletzte war da viel besser.“ An jenem Samstag konnte er nämlich bei der CVP zwei Bratwürste verdrücken, ehe er bei der FdP einen Kaffee und eine Crèmeschnitte degustierte, um sich schliesslich bei der SP noch zwei Teller Spaghetti zu genehmigen.

Nur eines stört Kurt. Die Grenchner Parteien und Vereine könnten sich besser absprechen: „Am gleichen Samstag Bratwürste und Spaghetti ist einfach nicht optimal“, erklärte er mir, „eine bessere Koordination wäre sicher machbar …“

Allerdings kommen schon bald schwere Zeiten auf Kurt zu. Am 21. Oktober finden die Nationalratswahlen statt. Danach wird man von den Grenchner Parteien erst in zwei Jahren – vor den Gemeinderatswahlen – wieder zum Gratis-Essen eingeladen und auch in der Kunstvitrine wird es bald schon keine Vernissagen mit Gratis-Apéro mehr geben.

Doch ich bin zuversichtlich. Zum Glück gibt es ja die Anzeiger. Da wird Kurt sicher fündig werden, auch wenn er sich dann einige Zeit mit kleineren Geschäftseröffnungen über die Runden bringen muss. Und zum Glück ist die Gastro-Szene nach wie vor in Bewegung, es wird also noch die eine oder andere Antrinkete geben. Wenn nicht in Grenchen, so doch in der näheren Umgebung. Und Kurt ist flexibel …

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