KOLUMNE: Mein Bierbauch
Mittwoch, 7. Februar 2007
in Kolumnen
(Paul-Georg Meister) - Nun hab ich es endlich schwarz auf weiss: Männer mit einem Bierbauch sind nicht unbedingt Biertrinker. In einer hoch wissenschaftlichen Studie haben Gelehrte nämlich herausgefunden, dass rund ein Drittel aller Männer mit einem Bierbauch, den Gerstensaft gar nicht mag.
Zu dieser Sorte Kostverächter gehöre ich. Seit ich in meiner Jugendzeit einmal zu viel Bier getrunken habe, bringe ich keinen Tropfen mehr über meinen Gaumenrand. Das allerdings wollten bisher viele nicht wahrhaben und haben mich – meist mit einem Seitenblick auf meinen Bauch - zu einem Bierchen eingeladen und waren dann ganz verdutzt, als ich ihnen erklärte, dass ich italienischen, spanischen, französischen und gar schweizerischen Wein dem Nationalgetränk unserer teutonische Nachbarn vorziehe.
Meinem Bauch allerdings nützt diese Erkenntnis nichts. Er sieht noch immer wie ein Bierbauch aus, denn das Wort "Güggeli-Friedhof" scheint in Zeiten der Mikrowelle und des Fastfood ganz aus der Mode gekommen zu sein. Einzig der Satz: "Schau mal diese McDonald's-Tonne", habe ich aus jugendlichem Mund hinter meinem Rücken schon vernommen.
Nun, mein Freund Kurt, er war erst kürzlich an einem zweitägigen Psychologieseminar, will mir nun helfen, mein Gewicht wieder auf das schweizerische Mittelmass zu bringen. Und zwar mit psychologischer Beeinflussung.
"Du musst einfach jeden Morgen auf die Waage steigen, nach unten schauen und dir bewusst werden, was du siehst", sagte er, "und dann musst du dir vorstellen, was du lieber sehen würdest, und du wirst sehen...", sagte er geheimnisvoll.
Seit einer Woche stelle ich mich deshalb jeden Morgen auf die Waage und schaue nach unten. Dabei sehe ich nichts anderes als meinen Bauch. Und wenn ich meinen Bauch sehe, bekomme ich Hunger. In dem Moment weiss ich, was ich lieber sehen würde, nämlich den gedeckten Z'morge-Tisch, mir läuft das Wasser im Mund zusammen und den Rest können Sie sich selber ausmalen...
Einmal mehr funktioniert die Psychologie meines Kollegen Kurt nicht. Doch das macht nichts, wir reden nicht einmal darüber. Seit ich nämlich weiss, dass er letzte Woche ein Sport-Weekend in Magglingen absolviert hat, gehe ich ihm lieber aus dem Weg: Sein neuster Vorschlag wäre mir mit Sicherheit zu anstrengend.



