KOLUMNE: Methadon-Kur nach der WM
Donnerstag, 13. Juli 2006
in Kolumnen
(Parzival Meister) Fussball, Fussball, Fussball und nochmals Fussball. Im vergangenen Monat war (fast) jeder Abend von der (zweit)schönsten Nebensache der Welt geprägt. Und jetzt ist Schluss! Die Weltmeisterschaften sind vorbei! Einfach so! Ja klar, es war nicht einfach so Schluss, das Ende der WM stand schon lange fest. Aber trotzdem ist es ein eiskalter Entzug, der viele vor die Frage stellt: Was nun?
Verständlich. Oder finden Sie nicht? Aber man kann doch nicht jemanden einen Monat lang in einen Vollrausch versetzten und ihm dann von einem Tag auf den anderen seine Droge wegnehmen - einfach so! Klar, möglich ist das schon, doch dann entscheidet man sich für den Leidensweg. Und wollen wir das wirklich? Nö!
Aus diesem Grund konsumieren wir derzeit WM-light. Will heissen, es finden zwar keine Spiele mehr statt, aber die WM bietet nach wie vor genug Gesprächstoff. Vergangene Partien, der beste Spieler, der kopfballstarke Zizou, die Freudenfeier der Italiener, das Team der Zukunft, die grosse Enttäuschung… Die Liste der nun abzuhandelnden Themen ist schier unendlich. Und das geniessen wir. Es erleichtert den Entzug. Es ist die Methadon-Kur der Fussballjunkies!
So, wenn Sie dies lesen, ist Donnerstag. Vier spielfreie Tage sind um. Und, wie geht es Ihnen? Schon gut rehabilitiert? Ich kann von mir behaupten, den Entzug gepackt zu haben. Ich gehe sogar soweit, nun auch die Methadon-Kur abzusetzen. Fussball ist kein Thema mehr. Rückfallgefahr? Nicht einmal ansatzweise!
Also, bis bald! Oder besser gesagt bis heute Abend am Uhrencup…



