KOLUMNE: Rümli zum Zweiten
Montag, 16. Oktober 2006
in Kolumnen
(Parzival Meister) Genau liebe Leser, erneut befasse ich mich in dieser Kolumne mit dem Thema Rümli. Und dies ganz einfach aus dem Grund, weil das Thema interessiert und für viel Gesprächsstoff sorgt. Ich wurde in letzter Zeit von vielen Leuten auf die Rümli angesprochen und führte etliche Diskussionen über das Thema. Unter anderem habe ich auch den Kontakt zu den Rümli-Besitzern gesucht und sie zu mir. Ich habe mit ihnen über die Rümli gesprochen und war in der Howeg unterwegs. Was ich nach diesen Gesprächen erkannt habe, ist, dass sich bei diesem Thema zwei „Problemfelder“ vermischen. Da wäre zum einen die Howeg selbst und auf der anderen Seite die Rümli, die in diesem Gebäude angesiedelt sind. Ich muss eingestehen: Ein Problem gibt es wirklich. Die Rümli-Szene in der Howeg ist nicht mehr dieselbe wie zu meiner Zeit. Da unten bewegen sich zu viele Leute, die eigentlich gar nichts in der Howeg zu suchen haben. In den Gängen der Rümli herrscht ein Chaos und die Toiletten wagt man kaum zu betreten. Stellen Sie sich vor, im Treppenhaus ihres Wohnblocks würde ein solcher Rummel herrschen, dann wissen Sie, wie sich etliche Rümli-Besitzer fühlen.
Was es in diesem Teil der Howeg braucht, ist mehr Ordnung. Ich meine damit nicht die Rümli selbst. Was Sie in Ihrer Wohnung tun und wie ordentlich Sie diese halten, ist schliesslich auch Ihre Sache. Es benötigt aber Hausregeln über das Verhalten in der gemeinsam genutzten Zone, also im Gang und auf der Toilette. Zudem sollten die Eingangstüren verschlossen sein. Jeder Mieter hat einen Schlüssel, wer jemanden besucht, kann sich verabreden, aber diese Räumlichkeiten dürfen nicht einfach öffentlich zugänglich sein. Ebenso muss der Verwalter bei fehlbaren Mietern durchgreifen.
Es sind diese Punkte, die angegangen werden müssen. Hier liegt das Problem und nicht darin, dass es Rümli gibt. Es ist das, was die „Gegner“ leider nicht verstanden haben. Vergangene Woche schrieb Thomas Furrer, Ersatzgemeinderat der SP-Grenchen, in seinem Leserbrief, es sei verfehlt, die Rümli in der Howeg als rechtsfreie Drogenräume einfach so hinzunehmen und wegzuschauen. Und: „Wenn’s letztendlich für eine Vielzahl von Jugendlichen nur darum geht, Privatraum zu nutzen, um ungestört zu trinken und zu kiffen, fragt sich die SP wohl zurecht: Ist das nur Privatsache oder nicht auch ein öffentliches Thema?“ Lieber Herr Furrer, es kann sicher nicht behauptet werden, dass in den Rümli nicht getrunken und nicht gekifft wird. Das wäre genauso als würde man sagen, kein Jugendlicher trinkt und kifft. Aber niemand trinkt und kifft, nur weil er ein Rümli hat! Wenn die Jugendlichen kein Rümli mehr hätten, würden sie das Gleiche in einem Park oder auf der Strasse tun.
Man trifft sich, schaut sich einen Film an, legt laute Musik auf, spielt Karten, feiert den Geburtstag eines Kollegen und verbringt halt einfach eine gute Zeit zusammen. Hinzu kommt, dass in jedem dieser Rümli viel Schweiss und Herzblut steckt. Denn auf- oder umgebaut wurden sie von den Jugendlichen selbst. Und wenn man nun das direkte Gespräch zu den Rümli-Leuten sucht und nicht vom Hörensagen über sie urteilt, erkennt man das Stück Jugendkultur, das in der Howeg lebt.
Fazit: Dass eine öffentliche Diskussion ausgelöst wurde, finde ich sehr positiv! Probleme werden aufgezeigt, die wie erwähnt tatsächlich bestehen. Aber zu sagen, dass die Jungen da weg müssen, ist eine total falsche Stossrichtung. Oder was würden Sie tun, wenn in Ihrer Wohnung eine Unordnung herrscht: Ziehen Sie einfach aus oder räumen Sie auf?



