KOLUMNE: Was tun am Sonntag
Dienstag, 16. Mai 2006
in Kolumnen
(Parzival Meister) Der Sonntag. Kein Tag wie alle anderen. Die zwei Tage zuvor tobt man sich aus und am nächsten Morgen geht’s wieder zur Arbeit. Was macht man also am Sonntag? Genau, nichts! Ich liebe das, einfach nichts zu tun, im Bett zu liegen und einzig meine Finger, welche die Fernbedienung umklammern, zu bewegen. Meistens jedenfalls. Denn es gibt so diese Sonntage, da wünsch ich mir, es wäre nicht Sonntag. Wieso? Passt gut auf!
Ich hätte zwar nie gedacht, dass so was aus meinem Mund kommt, aber manchmal hab auch ich am Sonntag keine Lust zum Faulenzen. Ich greife also zum Telefon und ruf die Jungs an. Da ich nicht gerade ein Frühaufsteher bin, sind sie natürlich schon „eis am zieh“. Ich setz mich dazu und frage, was wir tun wollen. Ideen sind zwar da, aber entweder hat einer keine Lust dazu oder er hat das schon letzte Woche gemacht oder es ist zu teuer oder… Das grosse Hirnen geht los und dies kann dauern! Also beschliessen wir noch wo anders „eis go z’zieh“. Dort geht die Studiererei weiter und irgendwann ist der Nachmittag vorbei. Wir haben also nichts gemacht, ausser darüber nachgedacht, was wir denn nun hätten machen können. So viel Hirntraining am Sonntag, das darf einfach nicht sein!
Nun aber ist bald Schluss damit. Die Temperaturen steigen, der Sommer ist zum Greifen nah! Wieso der Sonntag dann einfacher zu bewältigen ist? Wir machen den Zeitsprung: ein typischer Sommer-Sonntag. Die Sonne scheint ins Zimmer. Ich hüpfe in die Shorts, schmeiss mir ein Trägerleibchen über, schlüpfe in die Flip-Flops und ab geht’s in die Badi – so schnell ist entschieden. Ich steige gerade ins Auto, da klingelt das Telefon. „Wöi mir a d’Aare go brötle?“, werde ich gefragt. Mmh, klingt nicht schlecht. Zurück ins Haus – das Handy klebt natürlich immer noch am Ohr, da der neue Plan nun die Runde machen muss. Beim Packen der Brätli-Utensilien klingelt’s schon wieder: „Chum mir göi ämou uf Neuch i d’Badi!“ Wäre auch nicht schlecht, mal was anderes zu sehen. Geschirr und Kohle wandern zurück in den Keller. Da schneit ein SMS rein: „Wöi mir a See?“ Halt, zurück zur Gegenwart: Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass es auch im Sommer nicht einfacher wird. Sonntag bleibt eben Sonntag!
Aber zum Glück beginnt am Samstag die mia, und ich weiss, was ich nächsten Sonntag tun werde: Messebesuch oder Rausch-Ausschlafen oder doch eher…



