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KOLUMNE: Kleine Erwartung aber grosse Hoffnung

Sonntag, 19. März 2006 in Kolumnen
(Parzival Meister) „Uh, mir ist es gar nicht gut gelaufen!“ Na, wo hörten wir diese Aussage ständig? Sie wissen’s nicht? Aber sicher. Denken Sie mal ganz scharf nach. Ah, jetzt habe ich gehört wie „s’Zwänzgi abegheit isch“. Und Sie liegen goldrichtig. Diesen Satz hörten wir zur Schulzeit nach jeder Prüfung – vorwiegend von den Mädels. Und lagen erstmal die Noten vor, war das Resultat niemals so schlecht wie allgemein verkündet. Dieses Phänomen ist aber nicht nur in der Schule zu suchen. Es kommt bei jeder Leistungsmessung vor.
Doch wieso tun wir das? Ganz klar: Selbstschutz. Es handelt sich dabei zwar um eine Vorgaukelei, aber wir stehen damit einfach besser da. O.K., das ist Theorie, deshalb ein praktisches Beispiel: Ein Sportler, sagen wir mal ein Läufer, gibt vor einem Rennen ein Interview. Er kündigt an, topfit zu sein und mit einem derart guten Gefühl an den Start zu gehen, dass er den Streckenrekord um Längen brechen wird. Loost er dann ab, ist er der absolute Oberlooser. Wäre derselbe Läufer mit derselben miserablen Leistung nun mit einem pessimistischen Gesichtsausdruck vor die Kamera getreten und hätte gesagt, wie sch… er sich heute fühle, hätte man schlichtweg gedacht: „Na ja, es war halt nicht sein Tag.“ Wie er sich nun wirklich gefühlt hat, spielt absolut keine Rolle.

Anders präsentiert sich dieses Bild in der Politik. Hier geht niemand schlechter Dinge an den Start. Jeder Kandidat ist vor den Wahlen top motiviert und der Richtige, um künftig alles richtig zu machen. Gaukelei? Nö, wenn man sowieso weiss, dass einem jeder das Blaue vom Himmel verspricht, darf man sich bei einem schlechten Resultat auch nicht als Belogener betrachten. Aber genau beim Resultat liegt ja das Problem. In der Politik gibt es keinen Lehrer, der eine Note verteilt und keine Stoppuhr, die das genaue Ergebnis misst. Die eigentliche Gaukelei beginnt hier vor Ablauf der Legislaturperiode, also vor den Neuwahlen. Seine vollbrachten Taten bezeichnet der Politiker dabei als top, seine Gegner nennen es flop.

Wir sehen also, ob in der Schule, beim Sport oder in der Politik: Das Resultat wird durch die dazugehörige Aussage immer relativiert. Jeder versucht, sich vor anderen in einem besseren Licht zu präsentieren und nicht zuletzt, mit seinem eigenen Gewissen ins Reine zu kommen. Denn je tiefer die Erwartungen sind, desto grösser ist die Freude über das Resultat – und man hofft ja eigentlich immer auf ein gutes gelingen.

In diesem Sinne: Ich denke, der Sommer wird von Regengüssen gezeichnet sein, die Schweiz übersteht an der Fussball-Weltmeisterschaft nicht einmal die Vorrunde und diese Kolumne ist sowieso für den A….!

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