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KOLUMNE: Die Tücken der Kohlensäure

Freitag, 29. April 2005 in Kolumnen
(Parzival Meister) Es ist unverkennbar, das Zischen beim Öffnen eines kohlensäurehaltigen Getränks. Wenn sich den kleinen Sauerstoffbläschen der Weg zur Freiheit öffnet, sind sie nicht mehr zu bremsen. Ein Geräusch, das durch gekonnte Werbung wahre Erfrischung verspricht. Und so ist es auch. Aber – ein aber gibt es immer – man darf die kleinen Bläschen nie wütend machen, sonst landet die Erfrischung überall, nur nicht im Mund.
Und wie macht man die Bläschen so richtig böse? Genau, mit kräftigem Schütteln. Eine Tücke, die nicht unbedingt schlecht sein muss. Ich meine, was wäre eine richtige Siegerehrung ohne die wütenden Sauerstoffbläschen in einer Champagnerflasche? Oder noch besser, wie viele Scherze wären uns erspart geblieben? Es ist jedenfalls einer der ältesten Streiche, die ich kenne. Mit einem verschmitzten aber hilfsbereiten Lächeln reicht man dem Kollegen eine gut geschüttelte Flasche mit klebriger Limonade und freut sich auf die Sauerei.

Nicht jedes Mal ist diese Spritzerei aber gewollt. Wir wissen, dass eine solche Flasche mit gegebener Vorsicht zu öffnen ist. Und trotzdem, ich kleckere mich immer wieder voll.

Dann gibt’s noch die Fälle, wo es schwer zu sagen ist: Absicht oder Missgeschick? So zum Beispiel, als ich neulich mit meiner Freundin im Auto unterwegs war. Die monotone Landschaft der Autobahn vor den Augen und die Folgen eines intensiven Shoppingtages in den Knochen, fühle ich mich langsam, aber sicher müde. Ich schlage einen Fahrerwechsel vor, sobald wir den Gotthard durchquert haben. Sie ist einverstanden.

In meinem Kopf macht sich die Freude auf den erholsamen Beifahrersitz breit, da greift meine Freundin zur Colaflasche, um sich noch einen aufpeppenden Koffeinschub zu gönnen. Es zischt, aber nicht erfrischend. Feucht ist die treffende Bezeichnung. Die klebrige Limonade dringt aus, landet auf dem Handschuhfach, dem Boden, der Kleidung und vor allem auf dem Sitz - nicht auf meinem, auf dem Beifahrersitz.

Es war wohl weniger das Koffein des Colas, sondern viel mehr der Schock, der mich plötzlich wieder hellwach werden liess. So wach, dass ich auch den Rest der Strecke hinter dem Lenkrad verbrachte. Denn irgendwie machte mich der Beifahrersitz plötzlich nicht mehr so an!

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