KOLUMNE: Verflixter Automat
Dienstag, 1. Mai 2007
in Kolumnen
(Paul-Georg Meister) - Wenn man Durst hat und alle Läden und Gaststätten schon geschlossen sind, dann sind Selecta-Apparate eine wahre Segnung. Nur Geld einwerfen und schon kann man ein kühles Getränk geniessen.
So hab ich mir das auch vorgestellt, doch es kam anders. Ich hatte gerade 2 Franken 80 in Münzen in meinem Portemonnaie, also warf ich Geldstück um Geldstück ein. Ein 10 Rappenstück allerdings wollte der Apparat nicht schlucken. Mit der Boshaftigkeit, die nur Automaten eigen ist, spuckte er die letzte 10-Rappen-Münze immer wieder aus.
Mein Kollege Kurt kam mir in den Sinn, der in solchen Situationen immer einen Ausweg kennt. Die Münze am Apparat reiben, die Münze an den Jeans reiben, die Münze in den Mund nehmen und dann einwerfen – ich versuchte alles – doch nichts half.
Also versuchte ich es mit einem Stossgebet an den heiligen Antonius. Es half auf nichts. Aber das ist ja klar, Antonius hilft nur, wenn man etwas verloren hat, und ich weiss nicht, welcher Heilige für Automaten zuständig ist, die Geld einfach wieder ausspucken.
Also versuchte ich es mit der Gegenseite: doch auch fluchen half nichts: Der Apparat wollte mein letztes 10-Rappenstück einfach nicht schlucken.
Da kam mir der Ausspruch eines Indianerhäuptlings in den Sinn, der einmal zu Weissen gesagt haben soll: „Wenn ihr die ganze Erde vergiftet habt, dann werdet ihr sehen, dass man Geld nicht essen kann…“
Recht hat er, Und ich bin um eine Erkenntnis reicher, man kann Geld auch nicht trinken…



