KOLUMNE: Ein Teufelskreis
Samstag, 5. August 2006
in Kolumnen
(Parzival Meister) Ich habe ein Puff. Nein, ich habe nach dem Brand an der Solothurnstrasse nicht eine vorübergehende Marktlücke gesehen und eine rote Lampe angezündet. Denn bei meiner Unordnung hätte eine rote Lampe gar keinen Platz. Und damit sind wir beim Thema. Ich persönlich lebe nach dem Leitspruch: „Wer Ordnung hat, ist zu faul zum Suchen!“ Diese Philosophie dient aber vorwiegend der Beruhigung des eigenen Gewissens und täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass bei mir vor allem eines herrscht: Chaos. Und dieses findet man in meinen drei Revieren. Nämlich in meinem Zimmer, meinem Auto und auf meinem Bürotisch.
Das schlimmste am Ganzen: Wenn man einmal vom Chaos umzingelt ist, kann man sich nur sehr schwer aus dieser Lage befreien. Es ist sogar der schlimmste Teufelskreis überhaupt! Das ist nicht irgendein Hirngespinst, sondern eine an mir selbst erwiesene Tatsache, die sich in allen Revieren bestätigt hat. Blicken wir in mein Zimmer: Hier stapeln sich Briefe und Kleider zur Zimmerdecke empor. Der Weg ins Bett ist ohne eine hochmoderne Kletterausrüstung kaum zu bewältigen und wenn jemand anderes den Raum betreten will, muss er mir zuerst schriftlich geben, dass er bei einem Unfall auf jegliche Schadensforderungen verzichtet. Habe ich nun neue Briefe und Zeitschriften bei mir, hat es keinen Wert, diese zu verräumen. Sie landen ganz einfach bei den anderen. Auch die Kleider fliegen auf den sich türmenden Haufen – davon wird die Sau schliesslich auch nicht feisser. Sie sehen: ein Teufelskreis!
Ähnlich geht’s im Auto zu und her. Da sowieso schon überall Abfall rumliegt, denkt sich jeder Mitfahrer, dass es auf die Flasche, die er gerade leer getrunken hat, nun auch nicht mehr ankommt. Dies wiederum sieht der nächste Mitfahrer und auch sein Mc Donalds Sack landet auf dem Haufen. Ein Teufelskreis! Dasselbe Szenario im Büro: Wenn jemand nicht weiss, wo er etwas hintun soll, kommt ihm mein Pult gerade recht. Da stapeln sich ja schon so viele Dinge, dass ein Gegenstand mehr gar nicht mehr auffällt. Ich kann’s nur wiederholen: ein Teufelskreis!
Nun habe ich beschlossen dem Ganzen ein Ende zu setzen, aufzuräumen und somit eine Hemmschwelle aufzubauen, die verhindert, dass ich oder mein Umfeld meine Reviere als Müllhalde missbrauchen. Dann aber erzählte mir meine Schwester, was ihr passiert ist, als ihr Chaos vor kurzem in ein aufgeräumtes Zimmer verwandelt wurde. Sie getraute sich vor lauter Ordnung nicht einmal mehr, den Pullover einfach über den Stuhl zu schmeissen. Was für eine Horrorvorstellung! Da bleibe ich lieber in meinem Teufelskreis und benutze zu Hause auch weiterhin meine Kletterausrüstung…



