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KOLUMNE: Ich als bayerischer Tourist

Dienstag, 5. Juni 2007 in Kolumnen

(Paul-Georg Meister) - Manchmal ist man als Schweizer benachteiligt. In Italien beispielsweise, wenn man sich für Kultur interessiert. Da die Schweiz nämlich nicht Mitglied der EU ist, müssen wir leider in vielen Fällen tiefer ins Portemonnaie greifen und für einen Eintritt ins Museum oder in eine Ausgrabungsstätte bezahlt man bis zu 25 Prozent mehr, als Touristen aus EU-Ländern. Das nervt!
Also habe ich mich entschlossen, auf EU-Bürger zu machen. Einen grossen Bauch – den alle für einen Bierbauch halten, obwohl ich gar kein Bier trinke – habe ich ja bereits, also musste ich mir nur noch kurze Hosen mit Hosenträger (bayerische Art) und einen Hut mit Gamsbart kaufen.

So ausgerüstet stellte ich mich in die Warteschlange. Alle hielten mich für einen Deutschen. Mein Vordermann meinte schnippisch: „No gibt’s denn so was, a Bayer, der sich für Kultur interessiert?“ und der arrogante Typ hinter mir sprach dauernd mit seiner Frau darüber, dass der FC Bayern München nichts mehr wert sei und der Hambuger SV viel mehr Klasse besitze.

Doch ich liess mich nicht provozieren – schliesslich ist es mir egal, ob sich ein Münchner für Kultur interessiert und Bayern München kann mir gestohlen bleiben.

Endlich stand ich vor der Kasse. Endlich konnte ich von meiner Verkleidung profitieren und Geld sparen.

„Sind sie nicht der Mann, der im StadtAnzeiger die lustigen Geschichten auf der letzten Seite schreibt“, fragte die Kassierin, ehe ich überhaupt meine Billete bestellen konnte. Ich war ganz perplex und sagte „doch, der bin ich“.

„Weiss ich schon“, sagte die Frau und fügte als Erklärung hinzu, „normalerweise arbeite ich in der ETA in Grenchen“, aber in den Ferien vertrete ich manchmal meinen Onkel, der hier im Museum arbeitet…“

Und so kam es, wie es kommen musste: der Eintritt kostete wieder 25 Prozent mehr, trotz Gamsbart, kurzer Hose und weissen Tennissocken. Es ist zum heulen…

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