Freilichtspiel: Die Krähen warnen vor dem grossen Unglück
Montag, 25. Juni 2007
in Kultur
(Anna Meister) Seit Donnerstag, den 14. Juni wird im Garten des Parktheaters Grenchen das Freilichtspiel „Chräjeruef“ aufgeführt. Trotz teilweise heftigem Regen wurde bis jetzt keine einzige der Vorstellungen abgebrochen. Die Vorstellung am Sonntag, den 17. Juni ist gut besucht, wenn auch nicht ganz ausverkauft. Bei leichtem Regen beginnt das Stück. Der Bergbauer Toni (Edi Fiechter) warnt vor einem drohenden Unglück, welches ihm die Krähen prophezeien. Doch seine Zuhörer tun seine Warnungen als Hokuspokus ab und erklären den alten Herrn für verrückt. Doch er ist nicht der Einzige, der vor einer Katastrophe warnt. Der Tunnelarbeiter Salvatore Lombardi (Karl Amsler) ist fest davon überzeugt, mit seiner Wünschelrute auf Wasser im Tunnelschacht gestossen zu sein. Nun befürchtet er, dass der Tunnel einstürzen, sich mit Wasser füllen und unzählige Arbeiter in den Tod reissen könnte. Die Berechnungen des Ingenieurs Urs Roth (Bekim Murina) bekräftigen diese Aussagen. Doch der Chefingenieur Paul Güggi (Roland Favre) will davon nichts wissen. Erstens kann er es nicht leiden, dass ihm die Leute in seine Arbeit reinreden, zweitens kämpft er gegen Roths Liebe zu Lina Baumann (Stefanie Daumüller), die er gerne heiraten möchte. Lina ihrerseits liebt Roth auch, weswegen Güggi alles unternimmt, um die Zwei auseinander zu bringen.
Wassereinbruch
Derweil beruft der Gewerkschafter Johann Bächler (Köbi Schnurrenberger) eine Versammlung der Tunnelarbeiter ein und bespricht mit ihnen den Ernst der Lage. Anders als Güggi ist er sehr besorgt um das Wohl seiner italienischen Arbeiter. Zur gleichen Zeit wollen die Kinder Gina (Kristina Kuenzer), Maria (Jana Cslovjecsek), Sophie, Pietro (Yves Daumüller) und Marco (Dominic Guenin) im Tunnel spielen gehen.
Nach mehreren Hin und Hers macht Roth seiner angebeteten Lina einen Heiratsantrag, welcher von ihr sofort angenommen wird. Doch sogleich wird das Glück überschattet. Ein erster Wassereinbruch im Tunnel wird gemeldet. Die Arbeiter geraten in Panik. Sollten sich Lombardis Befürchtungen etwa bewahrheiten? Doch Güggi, der heimlich dieser Versammlung beigewohnt hat, will davon nichts wissen und schickt die Arbeiter wieder zurück in den Tunnel.
Mittlerweile regnet es ziemlich heftig, doch die Schauspieler halten auch nach der Pause weiterhin durch. Der zweite Akt spielt teilweise im Tunnel, welcher dank dem einzigartigen Bühnenbild von Sauro Zumstein und seinem Team und dem Licht von René Lipp und Cédric Jeannerat sehr gut zur Geltung kommt. Die Arbeiter fürchten sich vor einem weiteren, grösseren Einbruch. Währenddessen spielen die Kinder im Tunnel. Dann bricht Wasser ein … Draussen werden mittlerweile die Kinder vermisst. Salvatore kann sich aus dem Tunnel retten, doch als er erfährt, dass Kinder im Tunnel vermutet werden, kehrt er mutig zurück. Wer wird dieses Unglück überleben? Was wird aus Urs und Lina? Und können die Kinder gerettet werden?
Die gelungene Vorstellung wird mit lautem Applaus und Standing Ovations belohnt. Doch den Schauspielern ist die Erschöpfung anzusehen. Immerhin haben sie die ganze Vorstellung bei mittlerweile strömendem Regen absolviert. Die Kleider und die Haare kleben am Körper und nicht wenige werden am nächsten Tag an einer Erkältung leiden. Zweimal sei, laut Produktionsleiterin Doris Durrer, der Vorschlag gekommen, die Vorstellung abzubrechen, doch die Schauspieler wollten davon nichts wissen. Wenn man in ihre Gesichter sieht, kann man darin lesen, dass es ihnen die Mühe und die Strapazen wert war.





