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Kultur-Historisches Museum: Grenchner Wein und „Charger pour Soleure“

Sonntag, 22. April 2007 in Kultur
(mgt) „Charger pour Soleure“ riefen die Schiffer und Flösser, die auf der Aare Waren aus dem Welschland nach Solothurn transportierten, wenn sie bei den bernischen Zollposten von Büren an der Aare und Nidau vorbeikamen. Den zollfreien Transport und Grenchen bekamen die Solothurner 1393 bei der Aufteilung der von Bern und Solothurn eroberten Gebiete von Büren a.A. und Nidau. Es ist eine der Geschichte, die in der Sonderausstellung „Gretulozuzi – Weinbau in Grenchen“ im Kultur-Historischen Museum ab 26. April 2007 erzählt wird.
Die Grenchner trugen nichts zum stehenden Begriff „Charger pour Soleure“ bei und sind eigentlich unschuldig, es sei denn, man wollte ihnen 614 Jahre später eine Teilhaberschaft am geflügelten und heute noch verwendeten Begriff zuschreiben, was an sich schon übertrieben wäre. Doch alles der Reihe nach.

Es ist bekannt, dass nach den beiden Schlachten bei Morgarten und Sempach die Eidgenossen und mit ihnen auch die Solothurner nicht gut auf die Habsburger zu sprechen waren. Im Nachgang zur Schlacht bei Sempach und weil es sich vom habsburgisch gesinnten Freiburg arg bedroht fühlte, machte sich Bern unterstützt von Solothurn 1388 auf, um unter anderem Büren a.A. und Nidau sowie das ganze dazwischen liegende Gebiet zu erobern. Der Herr von Goucy, Maréchal de France, der in der Gegend mit unterschiedlichem Erfolg unterwegs war, sein ihm vermeintlich vorenthaltenes Erbe mit Gewalt und mit Hilfe von Söldnern einzufordern, bekam von den Habsburgern Büren und Nidau als Stützpunkte. Doch er konnte den Truppen aus Bern und Solothurn nicht standhalten.

Fröhliche Schiffführer

Das gemeinsam eroberte Gebiet wollten Bern und Solothurn auch gemeinsam verwalten. Nach fünfjähriger gemeinsamer Herrschaft, entschloss man sich, die Beute nach bewährter Berner Manier aufzuteilen. Solothurn erhielt Grenchen (mit Bettlach) und Bern den Rest, das heutige Bürenamt inkl. Nidau. Mit dieser Aufteilung waren die Solothurner nicht zufrieden, hatten jedoch gegen das mächtige Bern keine echte Handhabe. So versuchten die Solothurner, jeden sich bietenden Vorteil auszuhandeln. Nach etlichen Diskussionen einigte man sich, dass Transporteure Waren, die für Solothurn bestimmt waren an den Zollstationen Nidau und Büren a.A., nicht verzollen mussten. Dies gefiel den Solothurnern sehr, führten sie doch Jahr für Jahr grössere Mengen Wein aus dem Welschland ein. Später erhielt die Bürgergemeinde Solothurn grössere Rebflächen unter anderem bei Le Landeron. Das Abkommen mit Bern bedeutete, dass der Wein nicht mit Abgaben verteuert wurde. Sehr oft sahen die bernischen Zöllner in der Folge mit Weinfässern beladene Schiffe Aare abwärts fahren und hörten die fröhlichen Schiffführer, die einen Teil ihres Lohnes als Konsum des geladenen Weins erhielten, das Losungswort rufen: „Charger pour Soleure.“ So hört man heute noch in der Welschschweiz den Ausdruck „Il est chargé pour Soleure!“ für Personen die einiges über den Durst getrunken haben.
Mit Grenchen erweiterte der Kanton Solothurn aber auch seine Weinanbaufläche um mehr als zehn Prozent. Denn der Weinbau wurde entlang dem Bielersee über Pieterlen und Lengnau bis nach Grenchen betrieben. Obwohl der Grenchner Wein erst 1576 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird, dürfte er aber schon länger angebaut worden sein. Diese Tradition kam mit der Industrialisierung und den Rebkrankheiten, namentlich der falsche Meltau, zum Erliegen. Dies ist ein Teil der Sonderausstellung im Kultur-Historischen Museum Grenchen, die am 26. April 2007 beginnt.
Gretulozuzi - Weinbau in Grenchen
Am 26. April wird um 19 Uhr im Kultur-Historischen Museum die Sonderausstellung „Gretulozuzi – Weinbau in Grenchen“ eröffnet. Die Ausstellung dauert bis zum 28. September dieses Jahres. Am 22. September findet eine Finissage der besonderen Art statt: Das erste Grenchner Winzerfest mit vielen Überraschungen ist angesagt.

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