Andreas Thiel im Salon Wohlfahrt: Satire von der feinsten und derbsten Sorte
Mittwoch, 24. Januar 2007
in Archiv bis 2007

Andreas Thiel
Eigentlich habe er ja nichts mit „Les Papillons“ zu tun. Und auch mit dem Publikum habe er nichts zu tun. Andreas Thiel stellte gleich zu beginn seines Auftritts fest, wie lustig es doch sei, dass immer wieder Dinge zusammen finden, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Denn auch der Titel „Polit Satire“ habe nichts mit dem heutigen Programm zu tun. Politisch werde er nämlich nicht werden, sondern einfach von seinen Haustieren erzählen.
Sehr wohl politisch
Spätestens aber, als Thiel verriet, dass seine Katze auf den Namen Arafat hört, war klar, dass der Titel „Polit Satire“ sehr wohl etwas mit seinem Programm zu tun hat. Darauf beschränken, tut sich Thiel aber nicht. Politik, Krieg, Geschlechter, Homosexualität, Religionen …, der Satiriker prescht ohne Tabus über die gesamte Themenlandschaft. Zwar kommt seine Sprache mit der Eleganz eines Jaguars daher, doch unter der Motorhaube verbirgt sich die Gewalt einer Dampfwalze. Thiel zielt stets unter die Gürtellinie, trifft aber trotzdem ins Schwarze. „Political corectness“ hat im Programm, welches von hohem Intellekt geprägt ist, keinen Platz gefunden. Macht aber nichts! Denn genau dafür liebt ihn das Publikum.
Ein paar kleine Auszüge
Das geschriebene Wort verleiht Andreas Thiels Aussagen natürlich nicht denselben Glanz, wie er dies mit seiner Bühnenpräsenz tut. Trotzdem hier einige Auszüge: Thiel blickt in eine Zukunft, in der sich jeder zum „Akademiker“ weitergebildet hat. Es gibt dann keine Maurer mehr, die eine Mauer nach den Plänen der Architekten bauen, weil sie mittlerweile selber Architekten sind. Alle Studierten sitzen dann gemeinsam in Höhlen ums Feuer und diskutieren darüber, wie schön die Welt doch sein könnte, die sie geplant haben. Und wenn auch noch das Feuer ausgeht, sagt einer: „Aufschwung beginnt im Kopf.“ Der Satiriker spricht davon, dass wir in den Medien nur noch Tote sehen: „Zuerst kommt die Todeswelle. Und nach der Welle, kommt die Bilderflut. Die einzigen Lebenden sind betroffene Politiker.“ Für Thiel ist auch klar, dass Militärdienstverweigerern die Romantik fehlt, weil sie nie in den Genuss des Sternenhimmels beim Biwakieren kommen. Folglich nehmen diese Menschen dann Drogen. Millionen von kiffenden Verweigerern finanzieren so Kriege in Afganistan. Da fragt sich Thiel: „Und wer muss es dann ausbaden? Die Kiffer? Nein. Durch die Wirkung ist ihnen die Ursache egal!“ Der Satiriker erzählt, dass er gerade aus Deutschland in die Schweiz zurückgekehrt ist. Er freut sich dabei aber nicht nur wieder in der Schweiz zu sein, sondern vor allem aus Deutschland raus zu kommen und kommt zum Schluss: „Grenzen haben etwas befreiendes!“
Das Programm „Polit Satire“ ist keine One-Man-Show. Thiels spitzzüngige Satire wird von den Musikern Giovanni Reber (Violine) und Michael Giertz (Piano) perfekt ergänzt. „Les Papillons“ nennen sich die beiden und betreiben mit ihren Instrumenten das, was Thiel mit Worten macht. Denn ihr Auftritt kann man nicht einfach als eine musikalische Darbietung bezeichnen, vielmehr praktizieren sie musikalische Satire. Geht nicht? Geht doch! Die begeisterten und lachenden Gesichter des Publikums bewiesen es.
Ausverkaufter Salon Wohlfahrt
In den Genuss von Andreas Thiel und „Les Papillons“ kamen knapp 100 Zuschauer im ausverkauften Salon Wohlfahrt an der Lengnaustrasse in Grenchen. Es war ein perfekter, wenn auch besonderer Start in die Wohlfahrt Konzertreihe. Die nächste Veranstaltung findet hier am 16. März statt. Dann wird das Wieland-Fröhlich-Baumann Trio konzertieren.



