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Ethnologen bringen Licht hinter die vermeintlichen Paradiese

Mittwoch, 18. Oktober 2006 in Verschiedenes
(Wolfgang Weitlaner/pte) R E Z E N S I O N - Inseln sind es, die eine spezielle Anziehungskraft auf Reisende ausüben. Ein Grund dafür ist die in sich geschlossene Welt einer Insel, "in der wir für eine Zeitlang eintauchen können.
 
Der Vorteil dieses abgeschlossenen Systems liegt in seiner leicht zuerkundenden Endlichkeit, die einem das Gefühl gibt, nichts verpasst zuhaben", wie der österreichische Freizeitforscher Peter Zellmann vomInstitut für Freizeit und Tourismusforschung es einmal treffendbeschrieben hat. Er meinte, dass der MaledivenInsel-Urlauber sein Eiland nach 14 Tagen Aufenthalt zu 100 Prozent kennt. Das ergebe eine ideale Erfüllung von Urlaubswünschen.

von Neuseeland bis Mauritius

Die beiden Ethnologinnen Heidi Weinhäupl und Margit Wolfsberger haben in ihrem neuen Buch "Trauminseln? - Tourismus und Alltag in Urlaubsparadiesen", das im LIT-Verlag erschienen ist, einen genaueren Blick hinter die Kulissen einiger dieser Traumziele geworfen. Im ersten Kapitel geben sich die beiden Herausgeberinnen auf die Suche nach der Frage, wie denn das Geschäft mit den vermeintlichen Träumen aufgezogen wird. Dabei liefern die Autorinnen zahlreiche Querverweise zu bereits veröffentlichten Artikeln oder Texten aus der Wissenschaft. "In diesem Sammelband sollen einige dieser touristischen Bilder und die dahinter liegenden Machthierarchien aufgezeigt werden - das Spektrum reicht dabei vom Kannibalismus auf Fidschi über die Begeisterung rund um die Filmtrilogie 'Herr der Ringe' in Neuseeland bis zu Tahiti und Rapa Nui", so die Autorinnen. In einem zweiten Teil gehe es darum, Realitäten hinter der Fassade aufzuzeigen - die Traumata durch Bürgerkrieg und Tsunami-Katastrophe in Sri Lanka, die Geschichte der Minderheiten auf Mauritius und die Schwierigkeiten des Alltags auf Kuba.

Auswirkungen des Tourismus

Zudem werden die Auswirkungen des Tourismus selbst, des Geschäfts mit den Träumen der Menschen geschildert.
"Dabei zeigen etliche Beispiele besorgniserregende Folgen der Kommodifizierung - des zur Ware Machens von Räumen, Objekten und Menschen - bis hin zu erschreckenden Trends wie Kindersextourismus", schreiben die Autorinnen, die aber auch einräumen, positive Entwicklungen und die Voraussetzungen dafür ebenso zu thematisieren. Tourismus ermögliche wirtschaftliches Überleben und Wachstum - auch in Regionen, die aufgrund ihrer Lage ansonsten von der nationalen Wirtschaft und ihren Kapital-, Güter- und Arbeitskraftflüssen weitgehend abgeschnitten sind. Auf der anderen Seite stehen unerwünschte gesellschaftliche Veränderungen und Umweltprobleme.

Umfassenderes Bild vom Ferienziel

Das Buch spricht vor allem all jene Menschen an, die ein umfassenderes Bild ihrer Urlaubsdestination mögen und einen Blick hinter die Kulissen der Klischees wagen. "Es gibt durchaus die Möglichkeit, sich in Vorbereitung einer Reise oder im Kontakt mit den Menschen vor Ort mit unterschiedlichen Aspekten auseinander zu setzen, die eigenen Erwartungen zu reflektieren oder die Strukturen und Auswirkungen der Tourismus-Industrie zu hinterfragen. Über eine solche Auseinandersetzung können vorgefasste Bilder erweitert oder durchbrochen und letztlich auch neue Reiseerlebnisse gemacht werden. Dieses Buch will dazu einen Beitrag leisten", schreiben die Herausgeberinnen im Vorwort. Das ist ihnen sehr gut gelungen.

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