Grenchner Gemeinderatswahlen – die ersten Reaktionen
Sonntag, 24. April 2005
in Archiv bis 2007

Erster Halt, Parktheater. Im Ratsaal hat sich die FdP versammelt. Die Stimmung ist gedrückt, als Parteipräsident Hubert Bläsi die Resultate verkündet. „Der Tag hat gut begonnen“, sagt Bläsi dem citynet und spricht damit die Wahl von Esther Gassler in den Regierungsrat an. Doch diese Freude schwand, als er erfuhr, dass die FdP in Grenchen nicht nur einen Sitz verlor, sondern auch Fraktionschef Ivo Erard nicht wiedergewählt wurde – als einziger Bisheriger überhaupt. „Ich habe gehofft, dass unsere gute Arbeit Früchte trägt“, kommentiert Bläsi die Wahl, „aber offensichtlich will Grenchen mehr Opposition.“ „Ich bin enttäuscht, dass meine 8-jährige Arbeit als Gemeinderat so entlöhnt wird“, meint der abgewählte Ivo Erard. Er hätte zwar gerne noch weitergemacht, habe aber in Gedanken an sein Geschäft und die Familie sicher auch so genug Aufgaben. Die Grenchner Politik will er weiterverfolgen, wenn auch aus einer anderen Optik. Den Sprung in den Gemeinderat geschafft hat als neuer Aldo Bigolin. Er meint: „Zu fünft wäre es sicher einfacher. Jetzt müssen wir uns voll reinhängen, um den Sitzverlust wieder aufzuarbeiten.“ Auf seine neue Aufgabe als Gemeinderat freut er sich: „Ich bin ein Grenchen-Fan und werde mich auch dementsprechend für die Stadt einsetzen.“
SP-Sitz zurück an CVP
Im unteren Stock des Parktheaters hat sich die SP versammelt. „Wir haben den Sitz, den wir an den letzten Wahlen von der CVP gewonnen haben, nun wieder an sie verloren“, analysiert Parteipräsidentin Petra Schwaller und sagt, „ich habe es so erwartet.“ Über den Verlust zeigt sie sich traurig. Ebenso beschäftigt sie aber die Wahlbeteiligung: „Ich weiss nicht mehr was wir tun können, um die Leute zum Wählen zu bewegen.“Als Bester überhaupt, schloss Stadtpräsident Boris Banga ab. „Es ist für mich ein Vertrauensbeweis und ein Grund wieder „a d’Seck z’go““, meint Banga. Und auch das zweitbeste Resultat der Grenchner Gemeinderatswahlen geht an die Sozialdemokraten bzw. an Urs Wirth. „Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich Politik für alle mache und nicht so polarisiere“, sagt Wirth auf das Resultat angesprochen.
SVP extrem erfreut
Weiter geht’s an die Centralstrasse, ins Restaurant Central zur SVP. An einem Tisch versammelt wird sichtlich erfreut auf den gewonnen Sitz angestossen. An der Seite der beiden Bisherigen wird künftig Ivo von Büren Platz nehmen. Seine Wahl und den Gewinn der SVP wertet er als Zeichen, dass die Stadt Grenchen etwas Neues will. „Wir freuen uns natürlich extrem über den dritten Sitz“, sagt Parteipräsidentin Gabriela Rauber. Sie findet es nur Schade, dass keine der vier Frauen gewählt wurde. „Männer sind ihrem Geschlecht gegenüber solidarischer“, meint die Parteipräsidentin und wünscht sich, dass Frauen vermehrt Frauen wählen würden. Ähnlicher Meinung ist Fraktionschef Heinz Müller. Er ist überzeugt, dass die Solidarität von Frauen gegenüber ihrem eigenen Geschlecht in der Politik, abgesehen von SP, allgemein fehlen würde.
CVP nicht mehr alleine im Gemeinderat
Zweiter Gewinner der Gemeinderatswahlen ist die CVP. „Die vier Jahre Arbeit unseres Gemeinderates und der ganzen Fraktion haben sich ausgezahlt“, meint Co-Präsident Urs Weder. Die CVP habe auf Nationaler, Kantonaler wie auf Gemeindeebene ihr Verliererimage abgelegt. Den Sitzgewinn sieht er im guten Mix der CVP-Liste: „Jeder Kandidat hat der Partei wichtige Stimmen gebracht.“Den Sieg feierten die Christdemokraten beim Fraktionschef und bisherigen Gemeinderat Theo Heiri. Dieser ist froh darüber, die CVP nun nicht mehr alleine vertreten zu müssen: „Wenn es gilt, schnell etwas im Sinne der Partei zu entscheiden, ist es gut einen Kollegen an der Seite zu haben.“ Und an seiner Seite Platz nehmen, wird Enzo Armellino, der als bisheriger Ersatz bereits Luft im Gemeinderat geschnuppert hat. Er freue sich darauf, die neue Aufgabe aufzunehmen, nimmt sie aber, wie auch Theo Heiri, als grosse Verantwortung wahr. Denn für die beiden ist klar: „Trotz des neuen Kräfteverhältnisses bleibt die CVP das Zünglein an der Waage.“Mehr zu den Grenchner Gemeinderatswahlen finden Sie hier.



