Kindergeburtstag in „künstlicher“ Atmosphäre
Mittwoch, 13. April 2005
in Archiv bis 2007

Beim Zusammenbauen des Bilderrahmens ist handwerkliches Geschick gefragt
„Was seht ihr hier Besonderes?“ Pia Zeugin, die Kunsthistorikerin vom Kunsthaus Grenchen steht mit acht Kindern um eine Metallskulptur von Paul Wiedmer. Alle Elemente des Werkes werden von den Kleinen unter die Lupe genommen und Pia Zeugin erklärt sogleich, was denn diese überhaupt bedeuten. Nun aber wird’s ernst. Die Kinder erhalten Block und Bleistift mit der Aufgabe, ihre drei Lieblingselemente aller Skulpturen im Kunsthaus aufs Blatt zu bringen.Was die sieben Mädchen und der eine Junge hier machen, ist Geburtstag feiern. Genau, denn die frisch gebackene 6-jährige Amina, lud ihre Freunde ins Kunsthaus Grenchen ein. Dazu gekommen ist es, weil Mutter Tanja Lehmann einen geeigneten Raum für die Feier suchte und über einen Kollegen aufs Kunsthaus gestossen ist. „Das ist der erste Kindergeburtstag, den wir im Kunsthaus durchführen“, erklärt Pia Zeugin, „in anderen Museen besteht dieses Angebot schon länger.“
Schüchtern aber zufrieden
Aber nun weiter im Programm: Mittlerweile befinden sich die Kinder im Keller. Vor ihnen liegen je vier Holzstücke. Was mag das wohl sein? Pia Zeugin macht mit ihnen ein Bild – und zwar von Grund auf. Erst werden die besagten Hölzer zu einem Rahmen zusammengesteckt bzw. -gehämmert. Dann folgt die Leinwand, welche mit Nägeln befestigt wird. Sichtlich begeistert agieren die Kleinen mit dem Hammer. Doch nicht nur sie haben Freude, auch die Mütter packen noch so gerne mit an. Auf die Frage, ob es ihr Spass macht, reagiert das Geburtstagskind Amina zwar etwas schüchtern, nickt aber überzeugend, was auch die vertraute Mutter bestätigt.Mit solchen Aktivitäten will das Kunsthaus Grenchen Schwellenängste von Kindern gegenüber der Kunst abbauen. An seiner letzten Ausstellung konnte das Kunsthaus bereits 48 Schulklassen, also rund 850 Kinder, begrüssen. Die Geburtstagsfeier ist nun eine Möglichkeit auch über die Freizeit an die Kinder zu gelangen. Die Feier kostet übrigens 200 Franken und ist für maximal 12 Kinder. Ein weiterer Weg ist das aktuelle Angebot „Kunst für Eltern – Kunst für Kids“, welcher Eltern eine Führung und den Kindern einen Kunst-Workshop bietet.Die Kleinen befinden sich wieder in der Ausstellung und betrachten die Skulpturen. Nun müssen sie sich für ein Element entscheiden und dieses mit Farbe auf die Leinwand bringen. Vollendet werden die Werke nun durch ihre eigene Fantasie. Das einzelne Stück wurde zwar abgezeichnet, das Rundherum entwerfen die Kinder jedoch selber und vervollständigen die Vorlage zu ihrem eigenen Kunstwerk.



