Vortragsreihe: Welche Bedeutung hatte und hat Mazzini?
Mittwoch, 6. April 2005
in Archiv bis 2007

Nationalrat Dr. Josef Lang spricht zur Asylpolitik der Schweiz
Grenchen feiert im Mai seinen Ehrenbürger Giuseppe Mazzini. Diese ausssergewöhnliche Persönlichkeit im politischen Leben des 19. Jahrhunderts gibt auch heute Anlass zu aktuellen Fragen. Als Grundlage dazu versucht Salome Moser, Stadtarchivarin von Grenchen, am 3. Mai anhand der Briefe, die Mazzini aus Grenchen an seiner Mutter in Genua geschrieben hat, ein historisch genaueres Bild von Giuseppe Mazzinis Aufenthalt im Kinderheim Bachtelen und seiner Bedeutung zu zeichnen. Sie geht dabei verschiedenen Fragen nach wie etwa der, weshalb Mazzini überhaupt in die Schweiz und nach Grenchen kam und was er hier dann machte? Ein besonderes Augenmerk wird Salome Moser auf die Wirkungsgeschichte Mazzinis legen.
In einem weiteren Vortrag eine Woche später wird Dr. Josef Lang (Nationalrat aus Zug) die Asylpolitik der Schweiz und ihr Selbstverständnis unter die Lupe nehmen. Die liberale Asylpraxis der Schweiz war ein Aergernis für die Länder, die gegen revolutionäre Bestrebungen zu kämpfen hatten. So drohte etwa Fürst Metternich von Oesterreich mit Grenzsperren. Im Zentrum der Angriffe stand Mazzini. Die Tagsatzung beugte sich dem Diktat und wies Mazzini aus. Mazzini seinerseits kritisierte die Neutralität und die Asylpolitik der Schweiz, deren Opfer er wurde. Auch heute stellen sich ähnliche Probleme und ergeben bekanntlich kontroverse Ansichten. Viel Material zu einer aktuellen Diskussion um das Selbstverständnis der Schweiz im Umgang mit Fremden.
Die Ideen und politischen Zielsetzungen von Mazzini fanden natürlich auch zu seiner Zeit nicht überall nur Beifall. Selbst enge Freunde teilten seine Ansichten nur beschränkt. Aufgrund der Geschichte Italiens mit der kulturellen Vielfalt der Regionen und Städte schien eher eine föderative Struktur als ein zentralistischer Einheitsstaat angemessen zu sein. War Mazzini einseitig, der Kritik nicht zugänglich, gar starrsinnig oder ein pragmatischer Idealist? Ein feiger Terrorist, ein Krimineller, ein Ultrareaktionärer, ein Feind der katholischen Kirche oder „ein Mann, den man am meisten verehren muss" (Nietzsche), die grösste moralische Kraft Europas im 19. Jahrhundert? Wie hat sich das Urteil über Mazzini im Verlaufe der Zeit verändert, zu welchem Urteil gelangt man heute? Alles Fragen, die Prof. Dr. Carlo Moos von der Universität Zürich, beschäftigen wird.
Vorträge im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten „200 Jahre Mazzini" in Grenchen: am 3., 10. und 25. Mai jeweils um 19.30 Uhr im Saal Girard im Kinderheim im Bachtelen in Grenchen. Alles zur Mazzini-Feier finden Sie hier auf dem citynet-Spezial.



