Schopfbühne: Wie teuer sind Moral, Anstand und Liebe?
Freitag, 25. Februar 2005
in Archiv bis 2007

Edith Honka und ihr Ehegatte mit den hohen moralischen Prinzipien
Was zunächst als Kampf und Versteckspiel der Geschlechter erscheint, entpuppt sich mit dem weiteren Handlungsverlauf als eine immer reichhaltigere Parodie auf moralische Prinzipien und Prinzipienbrüche. Nach und nach opfern alle Darstellerinnen ihre Tugenden dem goldenen Kalb, welches am Bühnenrand wie ein Tempelgötze grinst. Dabei bleibt die Thematik im Grunde sehr ernst.So bricht Edith mit ihrem Traugelöbnis – in der verblümten Hoffnung, einen (reichen und spekulierenden) Ritter zu finden, der sie von der Armut erlöst. Ihre verträumte Schwester Lara gibt dem goldenen Kalb ihre Kindheit hin und verliebt sich. Ihre Mutter entdeckt selbst den Spekulationshandel und opfert die Familienharmonie. Ihre Dienstmagd schliesslich quittiert den Dienst und legt ihn dem goldenen Kalb zu Füssen. Bald schon ist der Krieg zu Ende und als ob nichts gewesen wäre, werden die Dinge wieder ins rechte Licht gerückt. Die Spekulationen mit Kriegsgeschäften haben ein Ende, Edith findet zu Jakob zurück – und so finden alle scheinbar wie von selbst wieder zu den Prinzipien zurück. Das Ende ist inszeniert als Happy End – mit einem bitter-ironischen Vorzeichen. In diesem Stück jongliert die finnische Autorin Jotuni mit den Gegensätzen wie Moral und berechnender Kaltblütigkeit, mit Liebe und Profit, mit Idealismus und Nüchternheit und mit Selbstaufgabe und Eigennutz. Viele Male wird dem Besucher ein Spiegel vor die Nase gehalten – und das Stück wird denn auch mit diesem Impuls abgerundet: „Und was opfern Sie dem goldenen Kalb?“ Es führt uns letzten Endes zu der Frage hin, wie käuflich der Mensch ist und wie bereit er ist, für das goldene Kalb seine grundfesten Prinzipien aufzugeben.Das Stück wurde seit August 2004 in über 60 Proben unter Iris Minder eingearbeitet. Die Protagonisten Manuela Heeb (als grossartige Edith Honka), ferner Roland Favre, Kurt Huber, Caroline Gandola, Stefanie Daumüller, Pia Schild, Robert Koch, Daniel Saur, Louise Culmone und Miriam Maegli haben ihre Rollen gefunden – und sie ausserordentlich gut verkörpert. Ihre Feuertaufe hatte an der Uraufführung im Übrigen Stefanie Daumüller, die ihre erste Schopfbühnen-Rolle als verträumte Lara mit Bravour meisterte. Das Bühnenbild von Robert Koch ist des Weiteren äusserst schlicht und zeitlos gehalten, obwohl die Handlung zeitlich mit dem 1. Weltkrieg zusammenfällt: Zeitlos deshalb – weil das Thema in Jotunis Werk auch die Menschen von 2005 etwas angeht…
Weitere Aufführungen
25. / 26. / 28. Februar / 3. (ausverkauft) / 5. / 6. / 8. / 9. / 11. / 12. / 14. / 16. (ausverkauft) / 18. / 19. / 20. / 22. / 24. März 


