Interview mit Boris Banga zu den Kantonsratswahlen vom 27. Februar 2005
Montag, 21. Februar 2005
in Archiv bis 2007

citynet: Grenchen hat bei den letzten Wahlen und Abstimmungen immer eine relativ schlechte Stimmbeteiligung aufgewiesen. Haben Sie nicht Angst vor den kommenden Kantonsratswahlen.
Boris Banga: Von Angst möchte ich nicht sprechen. Aber ich habe schon ein ungutes Gefühl, wenn ich an die Grenchner Stimmbeteiligung während der letzten Urnengängen denke. In unserem Bezirk war diese in Grenchen fast immer am tiefsten und dies sind schlechte Vorzeichen für ein gutes Abschneiden unserer Kandidatinnen und Kandidaten bei den Kantonsratswahlen.
Der Kantonsrat wird ja auf 100 Mitglieder verkleinert, das heisst, es muss um jeden Sitz noch viel mehr gekämpft werden.
Das ist der eine Punkt. Mit der Verkleinerung des Kantonsrates wird es für unsere Kandidatinnen und Kandidaten sicher schwieriger einen Sitz zu erobern. Doch das ist nicht der einzige Grund. Mit den neuen Wahlbezirken werden in diesem urnengang die Karten neu gemischt werden.
Wie ist das zu verstehen?
Früher waren der Bezirk Lebern und die Stadt Solothurn zwei Wahlkreise. Mit der Reform wurden diese zusammengeschlossen und bilden nur noch einen Wahlkreis. Die Region Solothurn hat traditionellerweise eine höhere Stimmbeteiligung als die Region Grenchen, also kann man annehmen, dass es Solothurner Kandidatinnen und Kandidaten leichter haben, ins Kantonsparlament gewählt zu werden, als solche aus der Region Grenchen.
Wir haben also nicht gleich lange Spiesse?
Doch, grundsätzlich schon. Nur die Stimmbeteiligung wird in dieser Wahl eine besondere Rolle spielen. Diejenige Region, die am meisten an die Urne bringt, wird wohl auch die meisten Sitze erobern. Wenn es in der Region Grenchen gelingt, viele Leute zu mobilisieren, so dass wir für unsere Kandidatinnen und Kandidaten eine breite Unterstützung an der Urne aufbauen können, dann werden wir auch in Zukunft im Kantonsrat angemessen vertreten sein.
Und wenn nicht?
Wenn uns dies nicht gelingt, dann wird dies für unsere Region sicher negative Auswirkungen haben.
In welcher Art?
Die letzten Jahre haben gezeigt, wie wichtig eine starke Vertretung einer Region im Kantonsparlament ist, vorab einer Randregion, wie sie die unsere ist. Erinnern Sie sich beispielsweise an die Spitaldebatte. Dank einer starken Vertretung im Kantonsrat, und dadurch, dass die Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus der Region Grenchen über alle Parteigrenzen hinweg zusammengestanden sind und sich für unser Spital eingesetzt haben, konnte vorläufig Schlimmeres verhindert werden. Das gleiche zeichnet sich bei der Autobahnausfahrt Grenchen ab. Alle wissen, dass die Zustände gefährlich und eigentlich unhaltbar sind. Doch schon heute ist klar, dass sich Grenchen wieder für eine gute Lösung wehren muss. Da ist es schon wichtig, dass man im Parlament angemessen vertreten ist.
Aber wir werden nie eine Mehrheit haben, damit wir solche Lösungen aus eigener Kraft durchbringen können.
Schauen Sie, in einem Parlament werden Mehrheiten geschaffen, in dem man miteinander diskutiert. Wichtig ist dabei, dass Grenchen im Kantonsrat Mitglieder hat, die sich für die Stadt und die Region einsetzen. Menschen, die argumentieren und diskutieren, die Überzeugungsarbeit leisten. Nur so kann gewährt werden, dass in einer Demokratie eine Region ihre legitimen Interessen auch durchbringen kann.
Wenn ich Sie so höre, muss ich sagen: Bei den Wahlen vom 27. Februar steht für Grenchen viel auf dem Spiel.
Ich will nicht dramatisieren und ich will niemandem Angst machen. Aber es ist tatsächlich so, dass für unsere Region sehr viel auf dem Spiel steht. Was mit der Region passieren könnte, wenn sie nicht angemessen im Kantonsrat vertreten ist, das haben wir in den letzten vier Jahren gesehen. Und es gibt noch viele offene Fragen und Probleme, die zur Lösung anstehen.
Wie sieht ihre Prognose für die kommenden Wahlen aus?
Eine Prognose wage ich nicht. Aber ich hoffe, dass viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aus der Region Grenchen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und an der Urne dafür sorgen werden, dass wir auch in den nächsten vier Jahren im Kantonsparlament angemessen vertreten ist. Wir haben es in der Hand, dafür zu sorgen, dass die Stimme von Grenchen gehört wird. Irgendwo habe ich den Slogan gelesen. „Solothurner wählen Solothurner“. Nun, wenn dem so ist, dann muss ich sagen, dann müssen eben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aus Grenchen, Bettlach und Selzach dafür sorgen, dass in unserer Region auch unsere Kandidatinnen und Kandidaten an der Urne volle Unterstützung bekommen.
Hoffen wir, dass dies gelingt.
Ja, dass hoffe ich auch. Ich vertraue dabei auf die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger unserer Region. Ich bin sicher, dass viele die Zeichen der Zeit erkannt haben und wissen, dass eine starke Stimme aus Grenchen auch in Zukunft wichtig ist.



