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Erneut starke Zunahme der Unterstützungsleistungen

Mittwoch, 10. November 2004 in Verschiedenes
() Wirtschaftlich geht es mit der Schweiz nach wie vor nicht richtig aufwärts. Besonders spüren dies Erwerbstätige mit ungenügenden Einkünften – darunter vermehrt junge Familien –, die sich immer häufiger in Notlagen an die Winterhilfe wenden müssen. So nahm die Zahl der Hilfegesuche gegenüber dem Vorjahr um weitere zehn Prozent zu. Insgesamt beliefen sich die Direkthilfen der Winterhilfe im Geschäftsjahr 2003/2004 auf 3.5 Mio. Franken. Das Hilfswerk sammelt traditionell vom18. Oktober bis 13. November.
Eine zunehmend grosse Zahl von Menschen in unserem Lande gerät wegen ihrer geringen finanziellen Möglichkeiten bei unvorhersehbaren Ausgaben in Notlage und ist auf einen finanziellen Beitrag oder eine Sachleistung der Winterhilfe angewiesen. Für viele Familien bleibt das tägliche, bescheidene Auskommen die grösste Sorge. Wie Prof. Dr. Hans Künzi, Zentralpräsident der Winterhilfe Schweiz, an der Delegiertenversammlung vom 28. Oktober in Flüelen im Kanton Uri betonte, nehmen als Folge der wirtschaftlichen Stagnation die Unterstützungsgesuche stark zu. Gerade jetzt sei die Solidarität der Schweizer Bevölkerung umso wichtiger, damit die Winterhilfe den wachsenden Anforderungen gerecht werden könne, denn eine Wende zum Besseren sei nicht in Sicht. Vielmehr prognostizieren die Konjunkturforscher eine weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit in den nächsten zwei Jahren.

Die Hilfstätigkeit in Kürze

Im Geschäftsjahr 2003/2004 konnte die Winterhilfe bei 5’605 Gesuchen individuelle Unterstützung leisten, um die Auswirkungen der Armut in der Schweiz gezielt zu lindern. 67 Prozent der Anfragen erfolgten über Institutionen, 33 Prozent der Hilfesuchenden gelangten direkt an das Hilfswerk. In der Mehrzahl wurden Familien unterstützt, insgesamt über 9'000 Erwachsene und Kinder. Die Hilfeleistungen umfassen in der Regel: finanzielle Beiträge an dringende Auslagen, Abgabe von Einkaufsgutscheinen, direkte Sachleistungen wie Betten, Kleider oder Schuhe; für Familien und Eineltern-Haushalte Gratisferien der Reka und die überaus wichtige individuelle Beratung von Menschen in Not.

Menschen mit existenziellen Sorgen als Gesuchsteller der Winterhilfe

Das Bild der Winterhilfe als Bergbauernhilfe oder als Hilfe für die ältere Bevölkerung stimmt schon lange nicht mehr. Im Vordergrund stehen eindeutig die «neuen Armen», Alleinstehende und Familien mit zu geringem Verdienst (Working Poor) und zunehmend auch allein erziehende Mütter. Bedeutsam geblieben sind als weitere Ursache einer Notlage nach wie vor Krankheit, Unfall oder Invalidität. Ein ungenügendes Alterseinkommen wird hingegen in nur zehn Prozent der Fälle als Grund eines Unterstützungsgesuchs genannt.

Unterstützungstätigkeit mit neuen Akzenten

Die Winterhilfe richtet ihre Tätigkeit neu nach gemeinsamen Grundsätze und Richtlinien für die Unterstützungstätigkeit aus. Diese vereinheitlichen einerseits die Arbeitsweisen der über 100 Winterhilfestellen in der ganzen Schweiz, andererseits fördern sie die Wirksamkeit der Hilfeleistungen, indem die Kernaspekte Komplementarität (die Winterhilfe greift da ein, wo öffentliche Hilfeleistungen nicht beansprucht werden können oder nicht ausreichen) und Nachhaltigkeit (die Winterhilfe hilft gezielt – zum Beispiel durch Beiträge an Weiterbildungen –, um eine längerfristige Abhängigkeit von privater oder öffentlicher Unterstützung zu verhindern) stärker in den Vordergrund rücken. Im Zentrum der Hilfstätigkeit soll aber weiterhin die Spontanhilfe stehen, welche die schnelle und unbürokratische Überbrückung akuter Notlagen zum Ziel hat. Diese Spontanhilfe wird nach wie vor das ganze Jahr über stark beansprucht.

Die traditionelle Herbstsammlung des ZEWO-anerkannten Hilfswerks unter dem Titel «Armut existiert auch in der Schweiz» findet vom 18.
Oktober bis 13. November statt.

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