
Alex Al Zahler (Foto: zvg)
(Jacqueline Trachsel) – Mit Alex Al Zahler hat die Region Grenchen – Biel – Solothurn sowie die Schweizer New Orleans Jazzszene eine feste Grösse, einen illustren Sänger, Trombonisten, Blues-Harper, Schlagzeuger, Arrangeur und Bandleader verloren. Er verstarb vor einigen Tagen im Alter von 70 Jahren. Seine Konzerte werden vielen in unvergesslicher Erinnerung bleiben.
Mit Bestürzung haben Freunde und Bekannte vom betrüblichen Hinschied des äusserst populären und multitalentierten Jazzmusikers vernommen, der im Alter von 70 Jahren im Juni in seinem schönen Heim in Aegerten bei Brügg verstorben ist. Dies an den Folgen einer schweren Krankheit, zu deren Ueberwindung letztlich seine Lebenskräfte und die Kunst der Spitalärzte nicht mehr reichte. Sein Tod bedeutet für seine hochbetagte Mutter, seine Gattin, seine Kinder, seine Geschwister und alle Angehörigen ein herber Verlust. Ihnen gilt ein ganz besonderes Mitgefühl.
Alex Al Zahler kam aus einer der Nahtzonen zwischen Tradition und unbeugsam vitalem Neuerungsdrang; ein Musiker der schon in jungen Jahren vom Stil der „Louis Armstrong All Stars“-Band inspiriert worden ist. Auch eiferte er musikalisch seinen Vorbildern, den Trombonisten ab Kid Ory bis J.J. Johnson nach. Den Eigenerwerb seiner ersten Posaune ermöglichte seine Mutter „unter grosszügigen Abzahlungsbedingungen“, wie er sich immer wieder gerne erinnerte.
Der markante, 1939 in Grenchen geborene, aufgewachsene und gelernte Kaufmann war in jungen Jahren bereits Gründungsmitglied der 1955 ins Leben gerufenen „New Orleans River Rats“-Band, welche das kurze Bestehen bereits 1958 mit dem Auftritt am 8. Nationalen Amateur-Jazz-Festival in Zürich, vom Schweizer Fernsehen live ausgestrahlt, krönen durfte.
Musikalisch gereift
Mit der Attitüde des gewieften Topmusikers, Entertainers und der bewussten Mischung aus Action und Stimmung trat Alex Al Zahler jeweils mit brillantem Posaunenspiel auf den Bühnen auf, wo er sich als effektvoller „Jack Teagarden der Schweiz“ (diesen Titel verlieh ihm Kenner Henry du Pasquier) und mit gekonnt gesungenen und phrasierten Louis Armstrong Vokaleinsätzen gemeinsam mit seinen Mitmusikern von der Zuhörerschaft feiern liess. Mit erstklassigem Dixieland-, New Orleans-, Chicago- und Mainstream-Jazz sowie heiss-swingenden Bluesnummern in eigenwilligen Arrangements und gefühlvollen Balladen vorgetragen, profilierte er sich und seine Bands, wobei er immer wieder verschiedene Formationen wie die „Al Zahler All Stars“, die „European Swing All Stars“ mit hervorragenden Gastmusikern und Sängerinnen aus diversen Ländern zusammengestellt hatte.
Durch sein aussergewöhnliches Talent kamen Alex Al Zahler ausgesuchte Konzertgastspiele mit namhaften Jazzgrössen von A bis Z im Rahmen internationaler und nationaler Festivals und in renommierten Clubs in ganz Europa, in den USA und Südamerika zugute. Mit der Auszeichnung als Solistenpreisträger, aber auch mit seinen Einsätzen als Gastmusiker und Bandleader eigener Formationen an Galas, in Clubs, bei TV- und Radiostationen oder gross angelegten Medienveranstaltungen wie beispielsweise an der „Rose d`Or Montreux 2002“, setzte er seiner Karriere einen weiteren Stempel auf.
Doch Alex Al Zahler hat seinen Start in Grenchen – auch nach so ruhmvollen Auftritten wie 1984 in New Orleans selbst, wo er mit Louis Armstrong-All-Star-Legenden wie „Trummy“ Young, Peanuts Hucko oder gar Albert Nicolas konzertierte – nie vergessen.
„The Voice Of Satchmo“
Trotz seines Erfolges warAlex Al Zahler stets bescheiden geblieben, gerne pflegte er persönlichen Kontakt mit zahlreichen Freunden und seiner grossen Anhängerschar aus der ganzen Region, sowie zu geselligen Treffs mit seinen Bandmitgliedern. Dies honorierte im Februar 1989 die in Grenchen ansässige Pro Jazz-Vereinigung mit einem Konzertengagement im damaligen „Ticino“.
Vor enthusiastisch mitgehendem Publikum legte Al Zahler mit seinen „Al + Harry`s Dixie Cats” am 19. Pro Jazz-Matinée los. Es folgten unzählige, stets ausverkaufte Comeback-Konzerte an öffentlichen Veranstaltungen im Raume Biel – Solothurn und Umgebung. Mit Charimsa, Eleganz, Würde und Können überzeugte Alex Zahler bis zuletzt innerhalb seinen Standardformationen „Al Zahler All Stars“, den „Al Zahler`s Big 4“.
Seinen Besuchern bleiben diese von Spielfreude sprühenden Liveauftritte in bester Erinnerung, nicht nur das, sondern auch Louis Armstrongs Nummer „What A Wonderful World“, so, wie ihn nur Alex Al Zahler singen und phrasieren konnte, ohne den Altmeister zu kopieren. Diesen Song integrierte Alex Al Zahler in sein vermarktetes Erfolgsalbum gleichen Titels, der auch on stage vorgetragen, gleichermassen zum Hit und eigentlichen Markenzeichen des Ex-Grenchners avancierte…
Wohlwissend um das Unabwendbare haben jene, die ihn kannten, eine warmherzige, aufrichtige Persönlichkeit und einen lieben Freund verloren. Und die Schweizer Jazzszene einen in der Region lebenden, publikumsnahen und sehr begabten Jazzman mit ausgesprochenen Feelings für musikalische Improvisationen. So gesehen, bleibt Alex Al Zahler mit seiner Musik und seinen Markenzeichen „The Voice Of Satchmo“ und „Jack Teagarden der Schweiz“ ein echtes Vermächtnis; Er wird deshalb für alle unvergesslich bleiben…
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