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Rezension: Mathias Nolte – „Roula Rouge“, Roman

Roula Rouge

(Paul-Georg Meister) - Ich weiss nicht ganz genau, was mich am Roman „Roula Rouge“ so fasziniert hat. Ich weiss nur, dass ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen konnte und dann enttäuscht war, dass schon Schluss ist.
Die Geschichte ist faszinieren einfach: Der bislang erfolgsverwöhnte Werber Johann Schotter hat nicht nur seine Frau an einen Nebenbuhler verloren, er wurde auch mit einem goldenen finanziellen Fallschirm entlassen.

Und so streift er durch Berlin und weiss mit seinen Tagen nicht viel anzufangen. Bis er eines Tages in der S-Bahn eine junge Frau trifft, die ihren Mac vergessen hat. Schotter nimmt das iBook mit. Es gelingt ihm den Zugangscode zu knacken und sich in die Welt der Roula Rouge einzuloggen.

Das Eindringen in die Welt der jungen Frau verändert Schotter. Er verliebt sich in sie und möchte sie nun auch im realen Leben kennen lernen. Das gelingt, die beiden kommen sich immer näher. Nur dumm, dass da noch immer das iBook ist, das sich Johann Schotter unrechtmässig angeeignet hat.

Der Roman hat mich von der ersten Seite an gepackt. Mathias Nolte hat mit Roula Rouge einen liebenswerten, packenden und vollkommen unspektakulären Liebesroman geschrieben. Und genau das unspektakuläre macht diese Geschichte so liebens- und lesenswert.

Langsam entfalten die beiden Lebensgeschichten. Roule Rouge, die ihren leiblichen Vater sucht, der damals aus der DDR flüchtete und die Familie im Stich liess. Und welche Rolle spielt Michael Herdi, ein Unternehmer, der während des Internet-Hyps zum Multimillionär wurde?

Doch auch Schotter hat eine Vergangenheit. Seine Ex-Frau, die Künstlerin Susanne von Lilienthal, taucht immer wieder in seinem Leben auf und kann mit der jungen, quirligen Roula Rouge nicht viel anfangen.

Fazit: Roula Rouge ist ein Buch, das zu lesen sich auf jeden Fall lohnt. Wer in letzter Zeit (zu-)viele Thrillers, Schockers und Kriminalromane gelesen hat, soll doch mal dieses Buch in die Hand nehmen. Man wird erkennen, dass auch ohne Mord und Totschlag, ohne Geheimbünde und verdeckte Superorganisationen, ja eigentlich sogar ohne eine spektakuläre Handlung, ein Buch geschrieben werden kann, das bis zur letzten Seite packt und fasziniert.

Ob die Figuren bis ins kleinste Detail nachvollziehbar handeln sei dahingestellt. Dem Lesegenuss tut dies keinen Abbruch. Es könnte ja tatsächlich sein, dass sich die Punkerin in einen älteren frustrierten Werber verliebt. Wenigstens in einem Roman sollte das möglich sein…

Der Autor: Mathias Nolte, geboren 1952 in Reinbek bei Hamburg, arbeitete nach einer Buchhändlerlehre als Journalist (u.a. für Bunte, Forbes, Penthouse, Ambiente, Tango, Die Welt, SonntagsBlick) und lebt heute als freier Autor in Berlin und München. Sein erster Roman, “Grosskotz”, erschien 1984.

“Roula Rouge”, Mathias Nolte, Roman
Verlag: Droemer/Knaur (1. März 2009)
ISBN-10: 342650118X
ISBN-13: 978-3426501184

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