(Paul-Georg Meister) – Martin Schneider, Staatsanwalt und unterlegener Kandidat bei den Amtsgerichtspräsidentenwahlen, ist ein schlechter Verlierer. In verschiedenen Voten in den regionalen Medien und in einem persönlichen E-Mail greift er den Gewinner, François Scheidegger, zum Teil recht massiv an.
Eigentlich eine schöne Geste: Der bei der Ausmarchung um den Posten des Amtsgerichtspräsidenten Solothurn-Lebern unterlegene Martin Schneider gratuliert François Scheidegger in einem E-Mail. Er schreibt: „Obwohl es schmerzt, gratuliere ich dir zur sehr knappen Wahl.“
Doch bereits im zweiten Satz wird klar, dass er ein schlechter Verlierer ist: „Das Pendel hätte genausogut auf meine Seite ausschlagen können. Das Prädikat «offizieller Kandidat» ist für viele Leute offenbar genügend für ihren Wahlentscheid. Anstelle von fachlichen und sachlichen sind andere Kriterien massgebend gewesen,“schreibt er.
Dabei zweifelt Schneider anscheinend nicht nur am Urteilsvermögen der Wählerinnen und Wähler, die Françoise Scheidegger unterstützt haben, er zweifelt auch an Scheideggers Qualifikationen: „Ich hoffe nun für die solothurnische Rechtspflege und insbesondere für die Leute auf S-L, dass du deine Sache wirklich von Beginn weg gut und effizient machst. Denn du wirst in Fachkreisen an deinen Aussagen gemessen werden. Ich wünsche dir trotz allem einen guten Start im Januar, der allerdings wohl kein einfacher sein wird.“
Auch in den Medien hat Schneider nach seiner Wahl Scheidegger mehrfach angegriffen und ihm teilweise schon fast unlautere Machenschaften unterschoben. In einer Zeitung wird er sinngemäss so zitiert, dass man bei der Staatsanwaltschaft eigentlich froh sei, dass er nicht gewählt wurde, weil damit ein sehr guter Kollege erhalten bliebe. An Selbstvertrauen (oder ist es Selbstüberschätzung?) scheint es Schneider nicht zu mangeln.
Mit dieser Aussage schliesst Schneider an sein Verhalten bei der Nominationsversammlung an. Mit überschlagender Stimme sagte er damals, er werde den (demokratisch gefällten) Entscheid der Delegierten nicht akzeptieren und als „Wilder“ kandidieren. Er habe genug Geld für einen Wahlkampf und François Scheidegger könne sich auf was gefasst machen.
Wer so ehrgeizig ist und allem Anschein nach jeglichen Anstand verliert, wenn es um seine persönliche Karriere geht, wer demokratisch gefällte Entscheide, ja sogar ein Votum der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nicht, oder doch nur sehr widerwillig akzeptieren kann, der hat meiner Meinung nach auf einem Richterstuhl nichts verloren.
Die Reaktionen auf die Wahlniederlage zeigen, das Ausrasten an der Nominationsversammlung ist nicht ein einmaliger Ausrutscher, wie in einigen Leserbriefen betont wurde, es scheint viel eher, dass dies zum Charakter von Martin Schneider gehört.
Eines ist klar. Auf einem Richterstuhl braucht es besonnene Menschen, die über berufliche Erfahrung und persönlichen Anstand verfügen.
In diesem Sinne bin ich froh, dass am letzten Sonntag mit François Scheidegger – wenn auch sehr knapp- so doch die richtige Person gewählt wurde.
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Ich bin froh… dass ich nicht gewählt habe… ;-)
Wahrnehmen, ohne zu denken, zu analysieren, zu interpretieren, ist SEIN.
Ich finde es schade, dass fast alle Wähler nur auf Herkunft der Kandidaten achteten. Wenn man die Ergebnisse anschaut, stimmten im westlichen Teil der Amtei drei Viertel für Scheidegger, im östlichen Teil ebensoviele für Schneider. Offensichtlich spielten sachliche Argumente (z.B. höhere berufliche Qualifikation oder charakterliche Defizite eines Kandidaten) keine Rolle. Wenn Wähler nur auf den Wohnort schauen hat das mit Demokratie nicht mehr viel zu tun.
Mit den charakterlichen Defiziten spielen sie ja sicher auf Martin Schneider ab. Deshalb verstehe ich ihren Einwand nicht. Ich bin froh, dass eine Person gewählt wurde, die eben keine solchen Defizite aufweist.
Bei einem Staatsanwalt mag das nicht so eine Rolle spielen. Bei einem Richter schon.
Man kann sich füglich streiten, ob im Gratulationsmail von Martin Schneider jedes Wort sehr geschickt gewählt war. Nur: Wer anderen fehlenden Charakter vorwirft, sollte auch bei sich selber einen entsprechenden Massstab anlegen. Dazu passt wohl kaum, dass man vertrauliche E-mails an Medienschaffende weiter leitet, ebenso wenig, wie dies zu einem Richter passt (der eigentlich mit persönlichen Informationen anders umzugehen hätte). In diesem Wahlkmapf wurden aus Grenchen ohnehin einige Müsterchen unappetitlicher Politik geboten: Boris Banga machte sich etwa innerparteilich für eine SP-Kandidatur stark zu einem Zeitpunkt, als er selbst bereits die Zusage für’s Komiteepräsidium Scheidegger gegeben hatte und griff alle vehementestens an, die nicht seiner Meinung waren. Ich zum Beispiel musste mir den Vorwurf des parteischädigenden Verhaltens gefallen lassen. Mein Kommentar: Einfach widerlich!