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Flugplatz Grenchen: Anpassungen der Infrastruktur kritisch beobachtet

Die Umweltverbände verfolgen die Entwicklung auf dem Flugplatz Grenchen kritisch. (Foto: Sarah Meister)

(mgt) – Die Solothurner Umweltverbände haben das aufgelegte Gesuch zur Anpassung der Infrastruktur auf dem Flugplatz Grenchen geprüft und nehmen es zur Kenntnis. Offenbar sollen auf dem Flugplatz vermehrt grössere Flugzeuge verkehren können und eine Zunahme der Flugbewegungen gegenüber dem heutigen Zustand wird angestrebt.
Das Plangenehmigungsgesuch des Flugplatzes Grenchen zur Verbreiterung des Rollwegs und anderer Infrastrukturanpassungen lag bis gestern auf. Diese seien aus Sicherheitsgründen nötig und sollen vermehrt Flugbewegungen von grösseren Flugzeugen der Kategorie B ermöglichen. Diese befliegt zwar heute schon den Flugplatz, jedoch nur vereinzelt. In Zukunft sollen mehr von diesen schwereren Geschäftsflugzeugen in Grenchen starten und landen.

Die Verbände befürchten, dass die geplante Zunahme an schwereren und grösseren Flugzeugen nicht ohne Folgen für die Umwelt bleiben wird – auch wenn der Flugplatz sein Potenzial an Flugbewegungen bisher noch nicht ausgeschöpft hat.

Zunahme der Flugbewegungen

Insbesondere kritisieren die Verbände die Aussagen der aufgelegten Umweltmatrix, wonach das Vorhaben „keine zusätzlichen Flugbewegungen resp. Luftschadstoffbelastung generiere“. Als Referenzwert dafür dient das Potential des Flugplatzes von 90‘000 Flugbewegungen pro Jahr, die im Moment aber nur zu rund 80% ausgeschöpft werden (2008: 75‘000 Bewegungen). Der Vergleich in der Umweltmatrix bezieht sich nicht auf die aktuellen Flugzahlen, sondern auf das zulässige Maximum. Ein weitaus höherer Anteil an schwereren Flugzeugen wird zudem mehr Schadstoffausstoss zur Folge haben.

Dieses Potential an Flugbewegungen wird über ein entsprechendes Lärmkataster definiert, das 2001 in Auftrag gegeben wurde. Die Umweltverbände kritisieren scharf, dass dieser in der Konzession geforderte Lärmkataster offenbar bis heute nicht fertig gestellt und veröffentlicht worden ist.

Auch wenn die gültigen Bewilligungen für den Betrieb des Flugplatzes einen Flugverkehr in dieser Dimension zulassen, verfolgen die Verbände die Entwicklung mit einem wachsamen Auge.

Auswirkungen auf die Vogelwelt

Angrenzend an den Flugplatz-Perimeter schliessen sowohl die kantonale Landwirtschafts- und Schutzzone Witi als auch das Wasser- und Zugvogelreservat “Grenchner Witi“ an. Dieses dient im Frühling und Herbst unzähligen Zugvögeln als Rastplatz auf ihrem Weg von oder in die Winterquartiere resp. Brutgebiete. Die 2005 veröffentlichte Studie der Vogelwarte Sempach, die im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt BAFU sowie des Bundesamtes für Zivilluftfahrt BAZL erstellt wurde, zeigt klar auf, dass tieffliegende Flugzeuge eine erhebliche Störung für brütende und rastende Vögel sind. Das Gebiet der Grenchner Witi ist ein Rastplatz für Watvögel von nationaler Bedeutung, laut der Publikation der beiden Bundesämter verdienen diese Gebiete die höchste Priorität im Schutz vor Störungen durch tieffliegende Flugzeuge.

Die Vogelwarte hat aufgezeigt, dass vor allem anspruchsvolle und damit besonders bedrohte Vogelarten betroffen sind. Viele häufige Wasservogelarten wie Stockenten und Blässhühner zeigten dagegen einen gewissen „Gewöhnungseffekt“ gegenüber den regelmässigen Störungen.

Stehen Ausbaupläne bevor?

Allfällige weitere Ausbaupläne lehnen die Solothurner Umweltorganisation klar ab. So wurde in den Medien bereits eine Verlängerung der Landepiste angetönt. Das Vorhaben scheint zwar noch nicht spruchreif zu sein. Die Verbände weisen aber mit Nachdruck darauf hin, dass ein Ausbau des Flugplatzes von regionaler Bedeutung den Interessen der Witi-Schutzzone diametral zuwiderlaufen würde. Es stellt sich die Frage, wie die Untertunnelung der Witi beim Bau der Autobahn A5 mit einer Erweiterung der Flugaktivitäten vereinbar wäre. Mit dem Tunnelbau zu Gunsten der Fauna haben Politik und Bevölkerung ein starkes Zeichen zum Erhalt der Witi als Lebensraum, Landwirtschafts- und Naherholungsgebiet gesetzt.

Die Verbände werden daher die weitere Entwicklung auf dem Flugplatz Grenchen kritisch und wachsam verfolgen.

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