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Pro Natura: “Fang des 3-Meter-Welses ist reine PR”

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(mgt) – Pro Natura Solothurn verurteilt die Absichten des tschechischen Sportfischers Jakub Vagner, im Mai im Rahmen einer Erlebniswoche für Business-Leute auf der Aare bei Bettlach den drei Meter langen Wels an Land zu ziehen. Die als Protest gegen das geltende Fischereigesetz geplante und als Artenschutz getarnte Aktion ist reine PR und bringt weder dem Wels noch der übrigen Fischfauna etwas.
Pro Natura Solothurn nimmt mit Bedauern zur Kenntnis, dass der 3-Meter-Wels am Bettlacher Rank gefangen werden soll. Zwar ist der Wels in der Aare nach einer deutlichen Bestandeszunahme in den vergangenen Jahren inzwischen weit verbreitet und nicht bedroht. Welse dieser Grösse haben aber ein beträchtliches Laichpotential und sind für die Population wichtige Tiere. Eine Tötung dieses Fisches ist daher aus ökologischer Sicht nicht wünschenswert. Gleichzeitig sind aber auch der gezielte Fang und das anschliessende Freilassen des Welses (sog. Catch & Release) abzulehnen, da dies den Fisch starkem Stress aussetzen würde.

Dies ist nicht nur aus tierethischer Sicht problematisch, sondern auch ökologisch fragwürdig, da Welse in Mitteleuropa gewöhnlich in den Monaten Mai und Juni ablaichen. Der Wels beginnt bei rund 18°C Wassertemperatur mit dem Laichgeschäft – ein Wert, der dieses Jahr Ende Mai erreicht werden dürfte. Die geplante Fangaktion würde also mitten in der Laichzeit zu liegen kommen und somit das Laichgeschäft beeinträchtigen. Zudem baut der Wels im Vergleich zu vielen anderen Fischarten Nester und betreibt sogar Brutpflege, was einen Fang zu dieser Jahreszeit zusätzlich problematisch macht.

Störungen empfindlicher Lebensräume

Zu Befürchten ist durch die Aktion auch eine weitere Beeinträchtigung des LebensraumeWiti. Der Bettlacher Rank, wo der Wels leben soll, liegt mitten in der Witi-Schutzzone. Dabei handelt es sich um ein störungsempfindliches Gebiet mit vielen wertvollen aquatischen und terrestrischen Lebensräumen. Durch die Fangaktion ist zu befürchten, dass die Aare in diesem Gebiet für die Welsangelei zunehmend an Bedeutung gewinnt und damit namentlich die Ufergehölze stärker begangen werden. Insbesondere naturnahe Ufergehölze, wie sie um Bettlach noch am Eichacker und am Archer Inseli zu finden sind, sind aber Lebensräume im Übergangsbereich von Wasser und Land, die gerade auch für Fische eine sehr hohe Bedeutung haben und daher nicht weiter beeinträchtigt werden sollten. Die Fangaktion könnte genau dies provozieren.

Am Ziel vorbei

Des weiteren fordert Pro Natura Solothurn, dass die rechtlichen Grundlagen – namentlich das Fischereigesetz und das Tierschutzgesetz inkl. der dazugehörigen Verordnungen – eingehalten werden. Politische Aktionen auf Kosten der Natur und Tierwelt, wie es Jakub Vagner gegen das in der Schweiz geltende Verbot von systematischem Catch & Release plant, sind abzulehnen. Denn die aus artenschützerischen Motiven geplante Aktion wird ihrem Ziel nicht gerecht: In unserem Land leidet der Wels nicht generell unter der Nutzung durch die Fischerei. Vielmehr haben Fische in der Schweiz ein schweres Los, weil Ihnen qualitativ gute und genügend grosse Lebensräume fehlen. Zuviele Flüsse sind verbaut, gestaut und weisen zu wenig Strukturvielfalt auf. Zu stark sind gewisse Gewässer mit hormonähnlichen Umweltgiften belastet.

Die vermeintlich artenschützerisch motivierte Fangaktion verkommt somit zu einem reinen Medien- und Vermarktungsspektakel auf Kosten des Bettlacher Welses und der empfindlichen Naturräume in der Witi. Die schweizerische Demokratie bietet etliche andere Möglichkeiten, für ein politisches Ziel zu kämpfen. Pro Natura Solothurn verlangt von den Organisatoren des Anlasses, ihr Anliegen über diese Wege zu verfolgen.

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