(Anna Meister) – Bei uns zu Hause haben wir ein «Familienrezept»: Eierbrötli. Dazu nimmt man mindestens ein hart gekochtes Ei, zermantscht es mit der Gabel, mischt es mit Mayonnaise und Aromat (oder anderen Gewürzen). Danach kann das Gemisch selbst oder als Brotaufstrich genossen werden. Seit wir Kinder klein waren, mochten wir dieses Essen sehr.
Dass es aber kein bekanntes Gericht ist, haben wir schmerzlich miterleben müssen, als wir vor vielen Jahren (ich war damals etwa 10 Jahre alt) bei einer befreundeten Familie zum Brunch eingeladen waren. Dort gab es auch hart gekochte Eier, Mayonnaise und Aromat, also die perfekten Zutaten für ein schmackhaftes Eierbrötli.
Ich griff also sofort zu den Zutaten und mixte mir mein Lieblingsfrühstück … Und erntete entsetzte Aussagen der anderen Kinder am Tisch: «Wääääh, was machsch de du do? Das chame doch nid ässe!!» Meine Illusion, dass alle Kinder dieses herrliche Gericht lieben, war dahin. Doch ich liess mich nicht unterkriegen und gab ihnen allen ein wenig der Masse zum Probieren. Die Kommentare waren verhalten: «Jooo … Nid schlächt …»
Als wir Jahre später mal wieder zu einem Brunch bei ihnen eingeladen waren (so etwa sechs Jahre später), staunte ich aber nicht schlecht, als alle der Kinder, die damals das Gesicht verzogen hatten, sich ein hart gekochtes Ei nahmen, es zermantschten, mit Mayonnaise und Aromat mischten und es danach aufs Brot schmierten. Natürlich fragte ich sofort, warum sie das tun. Die Antwort war: «Hey, das isch so öppis vo fein, i ha das mega gärn!»
Und wer denkt, dass die Kolumne hier endet, liegt falsch. Als ich vor fast drei Jahren meinen Freund das erste Mal zu meinen Eltern heimbrachte und wir alle gemeinsam frühstückten, nahm ich mir ein hart gekochtes Ei … und den Rest kennen Sie ja mittlerweile … Mein Freund meinte damals: «Ähm, isch das fein?» Was ich mit heftigem Kopfnicken beantwortete. Zögerlich probierte mein Liebster damals von der Eiermasse und auch seine Kommentare waren zögerlich.
Und nun raten Sie mal, was mein Freund neben mir gerade isst, während ich diese Kolumne schreibe …
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